Kultur : Das süße Diesseits

AUSSER KONKURRENZ Die Pressekonferenz zu „The New World“ mit Q’Orianka Kilcher, – aber ohne Terrence Malick

Julian Hanich

Kommt er? Oder scheut er wieder die Öffentlichkeit? Als die Crew von „The New World“ im Gang des Hyatt-Hotels erscheint und hinter der Mauer der Kameramänner und Fotografen vorbei zum Podium der Pressekonferenz schreitet, tröpfelt der Applaus nur spärlich. Alles klar: Er ist nicht dabei. Der Regisseur und Drehbuchautor Terrence Malick – das Phantom, der große Unsichtbare – ist zwar in Berlin, hat sich die Pressekonferenz aber gespart. Seine Produzentin Sarah Green schickt „herzliche Grüße“: Terry arbeite lieber weiter an seinem neuen Drehbuch.

Was keine schlechte Idee ist – seit seinem letzten Film „Der schmale Grat“ sind immerhin sieben Jahre vergangen. Vielleicht dauert es beim nächsten Mal also nicht ganz so lang. Aber gehört hätten wir schon ganz gern, was er zu „The New World“ zu sagen hat – ein Film, der von vielen mit Inbrunst erwartet worden ist und jetzt das Publikum entzweit. Denn einerseits sorgte seine Version der Pocahontas-Legende im Berlinale-Palast für Saalflucht unter gähnenden Verweigerern. Andererseits gab es Zuschauer, die am Ende – noch halb benommen – glücklich applaudierten. Malick wäre also der Richtige, um da vorne Platz zu nehmen .

Stattdessen sitzt jetzt die Hauptdarstellerin Q’Orianka Kilcher vor dem Mikrofon. Die Blitzlichter der Fotokameras funkeln auf ihrem Lipgloss. Wenn sie spricht, tanzen ihre Augenbrauen auf und ab. Ansonsten ist sie ein einziges Dauerlächeln, mit sehr weißen Zähnen, sehr roten Bäckchen und sehr guter Laune. Als die Journalisten auch noch anfangen, „Happy Birthday“ zu singen, strahlt sie wie Malicks Sonne über der Neuen Welt. Sie feiert an diesem Tag ihren 16. Geburtstag.

In „The New World“ spielt Q’Orianka Kilcher die Häuptlingstochter Pocahontas, die bei Malick zu einer Allegorie der Schönheit und Unschuld des virgin lands der Neuen Welt wird. Und wie sie da so rosig leuchtend vor den Journalisten sitzt, kann man erahnen, warum 13 Casting-Regisseure auf der ganzen Welt gesucht haben und dann bei ihr gelandet sind: Miss Kilchers Auftreten ist selbst von einer entwaffnenden Naivität.

Ihr Vater ist peruanischer Quecha-Indio; ihre Mutter eine Schweizerin, die in Alaska aufwuchs. Q’Orianka wurde in Deutschland geboren, in Schweigmatt im Schwarzwald, wo ihre Großmutter gewohnt hat. Pocahontas ist ihre erste große Rolle. Die Antwort-Phrasen der älteren Kollegen hat sie allerdings schon profihaft verinnerlicht. Mit Colin Farrell und Christian Bale zu arbeiten, war „sooo wonderful“, und das Drehbuch sei einfach „amaaazing“ gewesen. Auch alles andere war ziemlich „cool, you know“. Und sowieso sei es für sie das größte Geburtstagsgeschenk, jetzt hier sein zu dürfen, in dieser tollen Stadt, auf diesem großen Festival. How sweeeet, Q’Orianka!

Aber das sind nicht die Antworten, die man gerne gehabt hätte auf knifflige Fragen. Zum Beispiel, ob „The New World“ noch Ausdruck einer romantischen Utopie ist oder schon zivilisationsskeptische Amerikakritik? Woher Malicks Obsession für die Unschuld der Natur kommt? Warum der Name Pocahontas kein einziges Mal erwähnt wird im gesamten Film? Fragen, die an Q’Orianka Kilcher keiner zu stellten wagte und die an Malick keiner richten konnte. Zur Gala-Vorführung auf dem roten Teppich wurde er auch nicht gesehen. Malick bleibt ein Phantom.

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