Kultur : Das täglich Brot

In Leipzig trafen sich Europas Denkmalpfleger

Constanze Weiske

Auch die Denkmalpfleger kommen langsam im sich vergrößernden Europa an. Erstmalig trafen sich Vertreter aus zwölf europäischen Nationen, um sich über länderübergreifende Richtlinien auszutauschen. „Denkmalpflege in Europa – Aktuelle Tendenzen im Umgang mit dem historischen Erbe“ lautete der anspruchsvolle Titel ihrer Leipziger Tagung, die im Rahmen der Denkmalmesse „denkmal 2006“ stattfand. Der Grundtenor dieser Begegnung war düster, denn die Liste der zu schützenden Denkmäler ist lang. Allein in Deutschland stehen drei bis vier Prozent aller Gebäude unter Denkmalschutz. Die überschaubaren 31 deutschen und insgesamt 170 europäischen Denkmäler, die den Unesco-Weltkulturerbestatus besitzen, seien nur die „Crème de la Crème“, so Gerd Weiß, Präsident der deutschen Vereinigung der Landesdenkmalpfleger, die eingeladen hatte.

Problematisch stellt sich die Situation insbesondere in Osteuropa dar. Die Erhaltung der Kunst-, Bau- und Gartendenkmäler sei wie ein „Kampf um das tägliche Brot,“ sagte Sélysette Somorjay vom Ungarischen Denkmalamt in Budapest. Die äußerst schwachen denkmalpflegerischen Gesetze könnten die Abrisswut lokaler Behörden kaum verhindern. In Budapest werden daher viele der stadtprägenden Gebäude der Gründerzeit zerstört, obwohl sie offiziell unter Denkmalschutz stehen. Ähnlich dramatisch sieht es auch bei den Industriedenkmälern im ländlichen Raum aus. Fehlende finanzielle Mittel und Investoren machen den Erhalt von Zeugnissen der Anfänge der ungarischen Industrie nahezu unmöglich. „Wir sind hier eben nicht in London, sondern im Nordosten Ungarns“, klagte Somorjay.

Doch auch in den westlichen Ländern haben Denkmalpfleger mit Problemen zu kämpfen, wenn auch anderer Art. Hier sorgen die Richtlinien der Europäischen Union für Komplikationen. „Die Vorgaben zur Gesundheit verbieten uns den Einsatz historischer Materialien, die wir für den Erhalt der Gebäude benötigen“, so der Berliner Stadtkonservator Jörg Haspel. Für eine historische Spiegelbeschichtung dürften heute Materialien wie Quecksilber und Zinkamalgan nicht mehr verwendet werden. Es fehlt an einer Interessensvertretung der Denkmalpfleger in Brüssel. Der nächste Schritt soll Lobbyarbeit sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar