Kultur : Das Videokunstpaket

Auf DVD: Sammler-Edition mit den Stars der internationalen Szene

Peter Herbstreuth

Das New Museum of Contemporary Art in New York hat in Kooperation mit den Kuratoren Dan Cameron und Hans Ulrich Obrist damit begonnen, von der ersten Garde der Video-Künstler eine unlimitierte DVD-Porträtreihe zu lancieren. Die Idee lag in Luft. Denn digitale Bilddateien sind als solche ebenso blind, wie eine Partitur stumm. Beide werden erst durch die Interpretation in der Aufführung sichtbar. Dabei können Künstler freier als Dirigenten entscheiden, etwa wie sie die Interpretation instrumentieren: ob sie für die Projektion einen Beam benutzen, Videostills auf verschiedenen Papieren fertigen, mit Monitoren Installationen bauen oder einfach für den DVD-Player produzieren. Solche Optionen haben andere Künstler nicht, die wie etwa Maler direkt auf der Leinwand 1:1 arbeiten. Video-Künstler stellen wie Architekten mit ihren Bilddateien Modelle her, die erst durch die Realisierung einen Kunst-, Gebrauchs- und letztlich Warenwert gewinnen.

Um die Inszenierung sammelwürdig zu machen, folgte man bisher im Vertrieb von Videokunst allerdings nicht dem Vorbild der Musik, sondern dem der Fotografen, die trotz der technischen Möglichkeiten nur wenige Versionen ihrer Werke anfertigen. Nun mischt das New Museum den kleinen, aber weltweiten Markt auf, indem es mit der eigens gegründeten Firma „Bick-Productions“ die DVD-Reihe „Point of View“ produziert. Die elf Künstler der ersten Anthologie tragen klingende Namen: Francis Alys, David Claerbout, Douglas Gordon, Gary Hill, Pierre Huyghe, Joan Jonas, Isaac Julien, William Kentrige, Paul McCarthy, Pipilotti Rist und Anri Sala. Jede DVD enthält ein neues, speziell für dieses Format produziertes Video, ein ausführliches Interview der Künstler mit Dan Cameron oder Hans Ulrich Obrist in sechs Sprachversionen, dazu die wichtigste Literatur. Mit einer Dia-Show kann man sich wie durch eine Galerie exemplarischer Werke klicken. Das erste Paket mit elf DVDs kostet 1000 Dollar.

Auf Dauer wird wohl keine renommierte Bibliothek den Mix aus Information und Werk ignorieren können. Das zweite Paket mit weiteren Biennale-geprüften Künstlern ist bereits in Vorbereitung. Zwar dient als inhaltliches Vorbild der Katalog. Aber in Büchern sahen die Werke dieser Künstler nie gut aus. Als zusätzlichen Kaufanreiz bekommen schnelle Besteller wie bei der Vermarktung von Kunstbüchern einen Foto-Print von Anri Sala extra. Dann hat man immerhin ein fassbares Original. Der Rest, wie ein kodiertes Staubkorn im Computer: pure Notationen.

Informationen und Subskription:

bickvideo@aol.com

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben