Kultur : Das Zeitfenster

Bei Taschen erscheint Art Now Vol. 2

Katrin Wittneven

Es gab eine Zeit, da studierte ein Künstler an der Hochschule, hatte seine erste Ausstellung, dann vielleicht eine Galerie und erste Sammler, schließlich einen Katalog, eine Retrospektive, und am Ende gab es ein Werkverzeichnis und einen Eintrag ins Künstlerlexikon. Das ist lange her – und vielleicht verliefen die richtig erfolgreichen Karrieren immer schon ein wenig anders. Heute hat mancher bereits im Studium eine Galerie und mit 30 die erste Retrospektive.

Die neue Geschwindigkeit im Kunstbetrieb spiegelt sich in lexikalisch angelegten Publikationen wie „Art Now“ wider. 1999 erschien im Taschen-Verlag mit „Art at the Turn of the Millennium“ ein neues Buchformat, das im lässigen Softcover einen schellen Überblick über die wichtigsten Künstler der Zeit versprach: Auf kunsthistorischen Ballast wie umfassende Bio- und Bibliografien wurde einfach verzichtet. Stattdessen gab es für jeden der 137 Künstler zwei Doppelseiten mit einem Kurztext und Abbildungen wichtiger Arbeiten. Das Buch war überaus erfolgreich und erfuhr mit Bänden zur Mode, Architektur und Design zahlreiche Adaptionen. Umriss der Millenniums-Band noch eine Zeitspanne von zwanzig Jahren, konzentrierte sich das 2002 erscheinende „Art Now“ auf die ganz junge Kunst. Mit Preisangaben und einem Serviceteil, der Galerien, „Hip Places“ und Flughäfen verschiedener Städte vereinte, schien das Buch einen Jungsammler anzusprechen (oder zu imaginieren), der zwischen Los Angeles und Barcelona herumjettet und dabei kurze Zwischenstopps in den Galerien einlegt.

Von derlei Kinkerlitzchen sieht der nun vorliegende Band wieder ab. Über die Zusammenstellung lässt sich kaum streiten, sie entspricht den Netzwerken einiger international operiender Galerien. Der Zeit entsprechend sind viele junge Maler unter den neu aufgenommen Künstlern. Auch „Art Now Vol. 2“ notiert im Serviceteil Verkaufspreise und – wenn vorliegend – Auktionsergebnisse. Zusammen mit den präzisen Kurztexten ergibt sich daraus eine durchaus treffende und spannungsvolle Momentaufnahme. Ob allerdings neu aufgenommene Künstler wie André Butzer, Tim Eitel, Ulrich Lamsfuß, Matthias Weischer und Martin Eder auch in dem sicher erscheinenden „Art Now Vol. 3“ noch dabei sind? Schnell dreht sich das Karussel des Kunstmarktes – immer kürzer wird auch die Halbwertszeit von Kunstbüchern. Und jede Zeit bekommt die Bücher, die sie verdient.

— Uta Grosenick (Ed.): Art Now.

Taschen Verlag, Köln, 2005, 606 Seiten, 29,99 Euro.

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