Dash Snow : Wild und gefährlich

Der New Yorker Künstler Dash Snow ist tot.

Nicola Kuhn

Manch einer will es kommen gesehen haben: Dash Snow, der zum Berliner Gallery-Weekend vor zwei Jahren die umstrittenste Ausstellung geliefert hatte, ist in der Nacht zum Dienstag mit 27 Jahren gestorben, an einer Überdosis Heroin in einem New Yorker Hotel. Das erinnert an etliche Rock’n’Roller aus den Siebzigern; ähnlich exzessiv lebte auch Snow. Allein seine Erscheinung mit langem Haar, zauseligem Bart, großflächigen Tätowierungen, farbigen Brillengläsern, verschossener Kleidung, dazu eine Vorliebe für die Musik jener Jahre, ließen ihn wie einen Wiedergänger der Beatniks erscheinen.

Wann immer von seiner Kunst die Rede war, wurden auch sein Lebensstil, seine Herkunft und seine Jugendsünden beschrieben. Dash Snow brachte genau jene mondäne Verruchtheit mit, die dem Kunstbetrieb behagte, der noch vor zwei Jahren eine einzige große Party zu feiern schien. Als Spross der Familie de Menil, die in den USA zu den bedeutendsten Sammlern und Kunstförderern gehört, lief er schon als 13-Jähriger von zu Hause weg. Drogenkonsum, Einbrüche, nächtliche Spray-Aktionen brachten ihn in den Jugendknast. Die Polaroids, die er damals während seiner Trips machte, um sich am nächsten Tag zu erinnern, kehrten in seinem künstlerischen Werk später wieder: Snow, wie er eine Glastür eintritt oder das „S“ einer Shell-Tankstelle schwarz übersprüht, so dass nur noch „Hell“ stehenbleibt.

Als der 25-Jährige 2007 seine erste Europa-Ausstellung in der Berliner Galerie Contemporary Fine Arts ausrichtete – Titel: „The End of Living ... The Beginning of Survival“, war er bereits eine Berühmtheit und vom „Wall Street Journal“ zu einem der wichtigsten zehn Nachwuchskünstler gekürt. Im Jahre zuvor hatte die Whitney Biennale in New York mehrere Fotografien präsentiert, die Snow mit Freunden bei exzessiven Partys zeigen.

Nach Berlin brachte der Künstler 200 Collagen mit, die im Halbjahr zuvor entstanden waren, darunter ein Titelbild der „New York Post“ mit dem Konterfei von Saddam Hussein, auf das Snow sein Sperma und Glitter verteilt hatte. Er kombinierte gewaltstrotzende Erzählungen von Drogenkonsum und Kriminalität mit zerbrechlichem Glamour, etwa ein Cremetörtchen mit einer Exekution, bei der die Kugel trifft, während die Gabel ins Gebäck sticht. Mancher entdeckte darin die Qualität eines John Heartfield oder Max Ernst. Der junge Rebell mit dem verstörenden Sinn für Poesie hinterlässt eine zweijährige Tochter namens Secret. Nicola Kuhn

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