Kultur : Daten und Fakten der USA: Eine Landkarte für das Zentrum der Macht

Indira Gurbaxani

Die größte Wirtschaftsmacht der Welt steht vor Präsidentschaftswahlen. Das internationale Interesse allein an den Vorwahlen des jeweiligen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner respektive der Demokraten dokumentiert, welche Bedeutung die USA heute in der Welt einnehmen. Denn die politischen Entscheidungen der USA haben jene wirtschaftlichen Konsequenzen, welche direkt die US-Handelspartner und indirekt die gesamte Weltwirtschaft betreffen (zum Beispiel die Ausrichtung von Internationalen Organisationen wie die der Welthandelsorganisation). Das Buch von Udo Sautter "Die Vereinigten Staaten - Daten, Fakten, Dokumente" ist also zu einem passenden Zeitpunkt erschienen und versorgt politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger in Deutschland - aber auch interessierte Laien - mit Daten und Fakten der USA.

Ein tabellarisch aufgearbeiteter Überblick der wesentlichen Ereignisse aus der Geschichte der USA bildet den Einstieg in das Buch. Der Leser kann sich im folgenden über das für einen Außenstehenden verwirrende politische System der USA informieren. Sautter geht zuweilen sehr ins Detail, verdeutlicht aber dabei die unterschiedlichen Aufgaben der verschiedenen Häuser und Ausschüsse des Kongresses. Der Verfasser hat eine Fülle von Informationen zusammengetragen, die er in Tabellen präsentiert. So kann der Leser sich zum Beispiel über so verschiedene ökonomische Daten wie das Bruttosozialprodukt, den Energieverbrauch, die Pkw-Produktion und andere wirtschaftliche Fakten der USA informieren. Der Außenhandel ist zwar nach Import und Export untergliedert, aber leider nicht nach Sektoren oder Ländern. Während die Staatsverschuldung der USA sich pro Kopf ablesen lässt, muss der Leser das für die USA entscheidende - insbesondere als Begründung für protektionistische Maßnahmen gern herangezogene - Handelsbilanzdefizit selbst errechnen. Schade auch, dass ein Buch, das im Jahr 2000 erscheint zum großen Teil Zahlenmaterial liefert, das häufig nur bis 1995 reicht. Insbesondere bei der Staatsverschuldung, die seit 1998 deutlich gesunken ist, oder beim Handelsbilanzdefizit, das seit 1997 durch das Defizit insbesondere mit Japan und China einen neuen Höchststand erreicht hat, wären aktuelle Zahlen leicht aus den entsprechenden statistischen Jahrbüchern zu entnehmen gewesen. Nicht deutlich wird auch, warum der Autor es in seinem Abschnitt über die amerikanischen Streitkräfte im wesentlichen bei einer Auflistung zum Beispiel der verschiedenen Oberbefehlshaber verschiedener Waffengattungen belässt. Interessant wäre hier eher eine Übersicht über den Einsatz militärischer Mittel für Forschung und Entwicklung (etwa im Hinblick auf eine versteckte Industriepolitik) gewesen.

Ein überflüssiges Buch also, weil das Datenmaterial auch an anderer Stelle gefunden werden kann? Nicht, wenn das Buch in seiner Gesamtheit betrachtet wird. Denn Sautter präsentiert, wie dem Titel zu entnehmen ist, allgemeine Daten, Fakten und Dokumente der USA. Es handelt sich um ein rein deskriptives Buch. Mehr kündigt Sautter auch nicht an. Wer eine Kommentierung erwartet, der muss ergänzende Literatur heranziehen, die der Autor leider nur spärlich in seinem Quellenverzeichnis aufführt.

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