David Hockney zum 80. Geburtstag : Die gemalte Zeit

Mit 27 ging der britische Künstler in die USA und malte sein berühmtestes Bild: "A bigger Splash". Bis heute ist Hockney einer der populärsten Maler.

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A bigger Book. David Hockney 2016 bei der Präsentation seines Sumo-Buches auf der Frankfurter Buchmesse.
A bigger Book. David Hockney 2016 bei der Präsentation seines Sumo-Buches auf der Frankfurter Buchmesse.Foto: A. Dedert / dpa

Wer an David Hockney denkt, hat sofort jenes Bild vor Augen, das zugleich Bewegung und Bewegungslosigkeit zeigt, Kühle und Hitze, Abstraktion und Gegenständlichkeit: „A bigger Splash“ von 1967. Wenige Sekunden vor der gezeigten Szene muss jemand vom Sprungbrett im Vordergrund gehopst sein. Im tiefblauen Pool spritzt gerade noch Wasser auf. Darüber legen sich glatt und gleich wie abstrakte Farbbänder eine Terrasse, ein Bungalow und ein lichter blauer Himmel, in den zwei Palmen hineinragen. Hockney schuf damit einen Klassiker, der doch zunächst als Antwort auf die dominierende Minimal Art und Farbfeldmalerei seiner neuen amerikanischen Heimat gedacht war.

Drei Jahre zuvor war der damals 27-Jährige aus England an die kalifornische Küste umgezogen, wo er zum Maler schlechthin des Lichts und der starken Farben wurde. Seine Schwimmbad-Bilder stehen zugleich für Hedonismus und eine sexuelle Freiheit, die der Maler in seiner alten Heimat nicht ausleben konnte. Hockney hatte aus seiner Homosexualität nie ein Geheimnis gemacht. Bereits während seines Studiums an der Royal School of Art in London malte er „We Two Boys Together Clinging“. Damals neigte er noch zur expressionistischen Malerei, orientiert an Francis Bacon, der ihn außerdem dazu animierte, das Thema Homosexualität auch als Bildmotiv zu wählen. Von Picasso wiederum lernte er, sein Werk zu öffnen und stilistisch neue Wege zu gehen.

Die größte Erweiterung stellte für Hockney der Einsatz neuer technischer Mittel dar. So begann er ab 1976 mit der Polaroidkamera zu arbeiten und aus über 100 Aufnahmen collagenartige Bilder zusammenzusetzen, die in ihrer Vielansichtigkeit an kubistische Gemälde erinnern. Darüber hinaus begann der Künstler mit Fotokopien, Faxgerät, iPad zu experimentieren. Ob mit elektronischen Medien oder dem chinesischen Rollbild, das er ebenfalls in seine Malerei übertrug – immer geht es Hockney um die Darstellung von Zeit. „Wir sehen durch die Zeit“, erklärte er in einem Interview. „Es gibt etwas, was du als erstes siehst, dann eine zweite Sache, eine dritte, eine vierte – durch die Zeit, der wir nicht entkommen können.“ Auf seine Art scheint Hockney trotzdem der Zeit ein Schnippchen zu schlagen. Der inzwischen vornehmlich wieder in Großbritannien lebende Künstler feiert am heutigen Sonntag seinen 80. Geburtstag und ist produktiv wie seit jeher.

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