Kultur : Degen bringt Segen

Fechten gegen die Weltverschwörung: „Die Legende des Zorro“

Martin Schwickert

Gerade noch hat Zorro die Peitsche geschwungen und demokratiefeindlichen Banditen die gestohlene Wahlurne abgejagt, da wird ihm bei der Rückkehr zu Frau und Kind die Vernachlässigung seiner familiären Pflichten vorgeworfen. Der maskierte Held hat es nicht leicht in Martin Campbells Sequel „Die Legende des Zorro“. Der eigene Sohn, der nichts von der Zweitidentität ahnt, hält Vati für ein ausgemachtes Weichei, und Gattin Elena (Catherine Zeta-Jones) kündigt sogar die Scheidung an.

Die Ironie habe ihm gefallen, sagt Antonio Banderas, der hier zum zweiten Mal die schwarze Maske überstreift, dass Zorro ein Land vereinigen, aber nicht die eigene Familie zusammenhalten kann. Leider wird die Midlife-Crisis des Peitschenmannes nach einem zünftigen Tequilla-Rausch viel zu schnell ad acta gelegt, weil dann erneut die Weltenrettung ansteht. Regisseur Martin Campbell ist ein James-Bond-Veteran. 1995 drehte er „Goldeneye“ und auch für den neuen 007-Film steht der britische Regisseur unter Vertrag.

So verwundert es nicht, dass auch dieser Zorro-Film wie die Mantel&Degen-Version eines Bond-Franchise dahergeritten kommt. Ein europäischer Geheimbund – eine Mischung zwischen Freimaurer, Scientology und Al Qaida – will den Anschluss Kaliforniens verhindern und den amerikanischen Traum mit Nitroglycerin in die Luft jagen. Auch der Monolog des Bösewichts im unterirdischen Hauptquartier darf nicht fehlen. Doch wenigstens das Finale wird in klassischer Manier unter freiem Himmel auf dem Dach eines fahrenden Zuges ausgetragen.

Wie schon im ersten Teil versucht Campbell die Nostalgieerwartungen der Zorro-Fans mit den Ansprüchen des modernen Actionkinos zu koppeln. Schließlich ist Zorro, der erstmals 1920 mit Douglas Fairbanks als Stummfilm das Kino eroberte, der Urvater aller maskierten Gerechtigkeitskämpfer. Aber der Balanceakt endet in müden Kompromissen. Der „Legende des Zorro“ fehlt entschieden der Mut zum epischen Erzählen. Die Figur hat im Korsett der dramaturgischen Formatvorlagen zu wenig Bewegungsfreiheit. Dass die ehrliche Fechtkunst zugunsten pyrotechnischer Effekte in den Hintergrund gedrängt wird, gehört leider ebenfalls zum Modernisierungskonzept. Dabei hat Campbell mit Antonio Banderas und Catherine Zeta-Jones ein Optimalpaar unter Vertrag, das mit seiner glutäugigen Chemie die Leinwand entflammen könnte – auch ohne Nitroglycerin.

In Berlin in 20 Kinos, OV im Cinestar Sony-Center

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