Kultur : Der alte Affe Sex

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Rüdiger Schaper lernt von den Primaten, wo die Musik spielt

Was hörst du immer diese Urwaldmusik!? Diese Frage besorgter und genervter Eltern hat man auch nach zwanzig, dreißig Jahren noch im Ohr – und jetzt: Die Alten hatten Recht. Rock’n’Roll ist nichts anderes als verlängertes Buschgetrommel. Dieses lange gehütete Geheimnis hat einer gelüftet, der es wissen muss. Peter Gabriel, inzwischen auch schon in den Fünfzigern, verriet dem „Playboy“, dass BonoboAffen „logische Akkordfolgen und Harmonien“ zu spielen in der Lage sind, die „von künstlerischer Intelligenz zeugen“. Damit aber nicht genug. „Die kreative Energie kommt vom Sex“, glaubt Gabriel, und für Musiker sei Sex „wahrscheinlich die Antriebskraft überhaupt, weil es die Chancen auf sexuelle Abenteuer erhöht, wenn man auf einer Bühne steht“.

Kein Zufall: Die Bonobos, die im Kongo leben, sind unter allen Affenarten die sexuell aktivsten. Sie haben manchmal alle zwanzig Minuten Geschlechtsverkehr, bevorzugen die Missionarsstellung und schauen sich dabei in die Augen. Sex dient ihnen nicht nur zur Vermehrung, sondern auch zur Konfliktlösung – weshalb es unter den Bonobos zu homoerotischen Kontakten kommt. Man sieht: Nicht die Hippies, sondern unsere behaarten Vorfahren haben das Motto make love, not war erfunden.

„Fasse mich wenn ich brenn/Fasse mich wenn ich renn/Schüttel die Bäume im Regenwald/Von oben fällt ein Tier“: Dieses Lied mit dem bezeichnenden Titel „Schock den Affen“ sang Peter Gabriel auf seinem „Deutschen Album“. Inzwischen scheint er etwas ruhiger geworden zu sein. „Mit 53 sehe ich Frauen eher als Menschen und weniger als Objekte“, sagt er dem „Playboy“. Und jetzt, da die Verbindung zwischen Primaten und Pop-Stars offenkundig geklärt ist, da wir begreifen, dass die Rock-Musiker die Bonobos der Menschheit sind, bleibt nur noch eine Frage offen: Was machen Bonobos, wenn sie in die Jahre kommen, too old to rock ’n’ roll, too young to die?

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