Kultur : Der Bauch ist weg

George Clooney stellt „Syriana“ vor

Andreas Conrad

Da vorne muss er irgendwo sitzen. Hinter der Wand aus Reporterrücken, Kritikerkreuzen und Kamerastativen. Einige Minuten nur im Kino vertrödelt, und schon lässt sich auf George Clooney kein Blick mehr erhaschen, ist der Raum der Pressekonferenz zu Stephen Gaghans Politthriller „Syriana“ im Hyatt hoffnungslos überfüllt.

Aber nein, da ist er ja, nicht im Original, immerhin auf dem Bildschirm, der für solche Fälle vorsorglich hoch über allen Köpfen in einer Ecke aufgebaut wurde. Soeben werden alle auf der Bühne vorgestellt, bei Clooney mit Sonderapplaus, den er mit angedeuteter Verbeugung entgegennimmt.

Schlank ist er wieder geworden. 15 Kilo hatte er sich für die Rolle des alternden CIA-Agenten Barnes anfuttern müssen, in nur 30 Tagen. Seine Empfehlung für den umgekehrten Weg? „Nun, viele Drogen, Kokain ...“ Nein, das war natürlich ein Scherz, den er gleich korrigiert. Weniger essen, Gymnastik, Sport – das half auch bei ihm. Überhaupt, er scherzt viel, hat dabei wohl wieder seinen milde ironischen Blick, dieses spöttische Lächeln auf den Lippen, das ihn so unwiderstehlich machen soll – schade, aus der hintersten Reihe trotz Bildschirm nicht zu erkennen.

Aber wenn es drauf ankommt, kann er auch anders, antwortet so ausführlich, dass er gleich meint, sich entschuldigen zu müssen, er mache das nie wieder. Clooney als neues Gewissen von Hollywood? Nein, so sieht er sich nicht, kann auch nicht bestätigen, dass er politischer geworden sei. Politik habe schon in seiner Familie, als er noch Kind war, eine große Rolle gespielt.

Aber dass es mehr politische Filme gebe, das stimme schon, sagt Clooney, und schlägt den Bogen von den sechziger, siebziger Jahren, als die Diskussionen in der Gesellschaft sich auch im Kino niederschlugen, bis in die Gegenwart, wo dies ähnlich sei. Politisch und engagiert zu sein in der Arbeit, das sieht er als seine Pflicht an, solange die Chance bestehe, Fragen zu stellen. Und natürlich könne der Starruhm helfen, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Probleme zu lenken. Aber selbst in die Politik gehen – nein, da hält er sich lieber raus, „da könnte ich eher schaden.“

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