Kultur : Der Berliner Operngipfel: "Das St.Florian-Prinzip hilft nicht"

Herr Zimmermann[heute beginnen die Intendanten mi]

Udo Zimmermann, ist derzeit Intendant der Leipziger Oper und wird mit der nächsten Spielzeit Intendant der Deutschen Oper Berlin.



Herr Zimmermann, heute beginnen die Intendanten mit ihrer Klausur-Tagung über das Stölzl-Papier. Welches Ergebnis versprechen Sie sich davon?

In Vorbereitung dieser Klausurtagung haben wir uns über Aufwand und Nutzen, also über die Möglichkeiten und Grenzen wirtschaftlicher und künstlerischer Planungen verständigt. Dabei geht es nicht um finanzielle Gleichmacherei der Häuser, sondern um Notwendigkeiten künstlerischer und wirtschaftlicher Proportionen. Und so könnte sich herausstellen, dass beispielsweise die Deutsche Oper einen deutlich höheren Finanzbedarf hat als die Staatsoper. Auch diese Wahrheit, wenn es denn eine ist, gehört zur Berliner Opernreform.

Sollte es bei einer Unabhängigkeit der drei Opernhäuser bleiben: Was bedeutet das für Ihre Planung an der Deutschen Oper?

Die ursprüngliche Fragestellung einer Fusion der beiden grossen Opernhäuser ist nicht mehr aktuell oder steht zumindest sehr in Frage. Nun sind wir wieder am Ausgangspunkt der von Stölzl begonnenen Reformdebatte: wie wird man zukünftig dem Mangel an künstlerischer Profilierung und vor allem der wachsenden Unterfinanzierung der Häuser begegnen. Ob all diese Probleme mit sogenannten Synergieeffekten, mit einer besseren Spielplan-Koordination und mit mehr Kooperation zu lösen sind, wage ich zu bezweifeln. Da war das Stölzl-Papier schon auf dem richtigen Wege, trotz aller Unvollkommenheit und mangelnder Analyse. Jetzt aber werden wir uns fragen müssen, wie wir gemeinsam zu anderen und besseren Lösungen finden. Auf keinen Fall wird das St.-Florians-Prinzip helfen, das ist weder moralisch noch künstlerisch verantwortbar. Die künstlerischen und wirtschaftlichen Planungen der DOB wurden auch in den vergangenen Wochen und Monaten unabhängig von all den Reformkonstrukten weitergeführt. Im Januar werden wir die Premieren und Tagesspielpläne unseres Hauses in meiner ersten Spielzeit mit einem Ausblick bis zum Jahre 2003 auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Welchen Generalmusikdirektor werden Sie der Öffentlichkeit zu Ihrer ersten Pressekonferenz im Januar präsentieren - Christian Thielemann oder Fabio Luisi?

Ich habe mit Fabio Luisi sechs Premieren und 80 Vorstellungen in den ersten beiden Spielzeiten vertraglich vereinbart, in den Tagesspielplänen disponiert und haushaltstechnisch kalkuliert. Dies war der vom Senat erteilte Auftrag an mich. Und ich denke, es ist nur folgerichtig, dass Fabio Luisi seinen Drei-Jahres-Vertrag als GMD der Deutschen Oper Berlin am 1. August 2001 antritt. Jede andere Sichtweise wäre zur Stunde unverantwortlich und würde all meine Bemühungen seit Mai 1999 zunichte machen.

Und wo bleibt Thielemann?

Ich habe im Sommer 2000 mit Christian Thielemann in Bayreuth ausführlich über Möglichkeiten künftiger Zusammenarbeit gesprochen. Ich denke, dass Thielemann der Stadt Berlin und der DOB erhalten bleiben wird. Was an mir liegt, werde ich dafür tun.

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