Kultur : Der Brückenpapst

Jörg Schlaich im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt/Main

Christian Huther

„Der Unterschied zwischen Ingenieur und Architekt“, hat er einmal erklärt, „ist der, dass der Architekt hauptsächlich kreativ an die Sache herangeht und der Ingenieur hauptsächlich erfinderisch.“ Jörg Schlaich muss es wissen. Der 69-Jährige gilt als einer der wichtigsten Bauingenieure unserer Zeit. Er hat mit fast allen bedeutenden Architekten zusammengearbeitet, von Frei Otto und Günter Behnisch über Frank O. Gehry und I. M. Pei bis zu Rafael Viñolys „Think“-Team. Der gern als Ingenieurkünstler bezeichnete Schwabe gilt als Ausnahmefall unter Kollegen, die trotz des Trends zu High-Tech-Bauten für ihn nur „liebedienerische Sklaven der Architekten“ sind.

Jetzt zeigt das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main eine Ausstellung über Jürgen Schlaich und seinen langjährigen Stuttgarter Partner Rudolf Bergermann.

Schlaich baut Dächer, Brücken und Türme, die das DAM mit Fotos, Plänen, Modellen und Texten dokumentiert. Am bekanntesten ist das Dach des Münchner Olympiastadions. Der Architekt Günter Behnisch hatte die Idee zu dieser Seilnetzkonstruktion. Aber sie galt als nicht realisierbar, bis Behnisch die Experten Frei Otto und Jörg Schlaich ins Boot holte. Dieses vor über dreißig Jahren realisierte, leichte und transparente Dach ist eines von vielen Beispielen für Schlaichs Erfindungsreichtum. Für das im Bau befindliche neue Frankfurter Waldstadion entwarf er ein Faltdach, das wegen seiner Ausmaße schon als „größtes Cabrio der Welt“ bezeichnet wurde.

Schlaich wird auch als „Brückenpapst“ gerühmt. So zeigt die Ausstellung neben neueren Berliner Lichtdächern für den Hauptbahnhof und das Deutsche Historische Museum viele seiner ungewöhnlichen Brücken. Man sieht seine elegant geschwungene Autobahnüberführung Kirchheim/Teck, die genietete Schrägseilbrücke in Kalkutta oder auch die Duisburger Brücke, die für passierende Schiffe einen Katzenbuckel macht.

Die baukünstlerische Synthese findet Schlaich im Zusammenspiel von Funktion, Konstruktion und Form. Entsprechend hoch legt er die Messlatte: „Die einzig adäquate Gegenleistung für verbaute Natur ist Baukultur.“ Nicht zuletzt sieht er seine ökologische Verantwortung und entwirft Energie gewinnende Spiegelanlagen und Aufwindkraftwerke.

Frankfurt am Main, Deutsches Architekturmuseum, bis 8. Februar; Katalog im Prestel Verlag, 35 €.

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