Kultur : Der coole Sound der Neunziger

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Was bleibt von Filmen wie Angel Express? Ein Auto, das durch den Tunnel fährt, in irrem, lebensmüden Tempo. Dazu blinkende, blendende Lichter. Die harten Techno-Beats aus dem Off, die diesem kalten, herzlosen Film sein Herz geben. Die Pose, mit der coole, harte Jungs sich nehmen, was sie wollen: Koks, Karren, Knarren. Und die Sorglosigkeit, mit der da über Liebe und Leben hinweggespielt wurde.

Eine Pistole, die von Hand zu Hand geht, ist das rote Band in diesem wirren Spiel. Ein Todes-Reigen, den sie alle tanzen: die Möchtegern-Schauspieler, Models, Kleingangster, Nutten und Fotografen, all die Herz- und Heimatlosen, die in Berlin unterwegs sind, jede Nacht, von Club zu Club.

Regisseur Rolf Peter Kahl galt für kurze Zeit als Wunderkind: als Hauptdarsteller und Produzent für Oskar Roehlers ähnlich kalten, aber viel genaueren „Silvester Countdown“ und dann, nur 28-jährig, als Regisseur für „Angel Express“. Anders jedoch als Roehler, der mit „Die Unberührbare“ eine andere Klasse erreicht hat, ist Rolf Peter Kahl ziemlich in Vergessenheit geraten – und mit ihm eine Zeit, die er in seinem Kinodebüt so exzessiv wie selbstverliebt in Szene setzt.

Als „Angel Express“ vor drei Jahren in die Kinos kam, schien alles nur zu leicht: Zur Blütezeit der New Economy, des Berlin-Hypes, der Love Parade und der Dogma-Begeisterung waren schnelles Geld, wildes Leben, harte, direkte Filme angesagt. Heute, drei Jahre später, nimmt das Checkpoint-Kino Kahls Film noch einmal ins Programm. Und plötzlich sieht alles anders aus: Die Love Parade ist gefloppt, die New Economy arbeitslos, Dogma passé und Berlin auch nicht mehr der Szene-Ort. Der coole Sound der 90er – wie klingt er hohl. (til) Foto: Stattkino Berlin

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