Kultur : Der gute James

Apartheidsdrama für die ganze Familie: Bille Augusts „Goodbye Bafana“ im WETTBEWERB

Jan Schulz-Ojala

Das Gute an diesem Film sind seine besten Absichten. Es ist mithin erfreulich, dass ein dänischer Regisseur für einen amerikanischen Großverleih mit teils britischen Schauspielern und deutschem Geld dem langen Befreiungskampf der Schwarzen in Südafrika und dem jahrzehntelang vom Apartheid-Regime inhaftierten Präsidenten Nelson Mandela ein Denkmal setzt. Ein Film, dessen rechtschaffene Gesinnung jedem Schuss-Gegenschuss eingeschrieben ist. Ein Sonntagsfilm für das gute Gewissen.

Andererseits lässt sich, leider, leider, manches Schlechte über Bille Augusts „Goodbye Bafana“ sagen. Dass er nervtötend konventionell inszeniert ist zum Beispiel, mit bestürzend uninspiriert agierenden Darstellern. Dass er ein großes politisches Thema bloß situationen- und bildausbeuterisch aufs Kleinfritzchen- und Lieblieschen-Niveau herunterbricht. Dass da ein epochaler Umsturz der Verhältnisse bloß fürs kollektive Familienalbum privatisiert wird. Mit anderen Worten: Dass da jemand sein fulminantes Thema verschenkt – natürlich um es umso besser zu verkaufen.

„Goodbye Bafana“ ist, sowas schmückt das Genre immer, based on a true story: Den weißen Wärter James Gregory, der Nelson Mandelas Vertrauen im Gefängnis gewann und es als Vermittler vor Mandelas Freilassung zu einer Fußnote immerhin der südafrikanischen Geschichte brachte, hat es wirklich gegeben. Joseph Fiennes, schon von der Natur nicht gerade mit mimischem Variantenreichtum ausgestattet, muss eine Titanenaufgabe schultern: den weißen Rassisten geben, dessen einziger Jugendfreund ein schwarzer Landjunge war. Denn nur deshalb spricht er Xhosa, die Sprache der Aufständischen; und nur deshalb soll ausgerechnet er die schwarzen Gefangenen aushorchen – mit dem als „Terrorist“ geschmähten Oberpolitpromi Nelson Mandela an der Spitze.

Stasi-Strukturen sind derzeit im Kino in – mit und ohne Läuterung. Nur der CIA-Bürokrat in Robert De Niros „Good Shepherd“ bleibt eisern, auch gegen sich selbst (was dem Film guttut). In „Das Leben der Anderen“ kochten der frisch erwachte Sinn für Sinfonien wie für Liebeslyrik den Spitzel weich, in „Goodbye Bafana“ besorgen dies, eine Spur schlüssiger, verwandte Familienstrukturen. Mandela und Gregory sind liebende Väter, das verbindet. Und dass beide im Laufe des Geschehens ihre Söhne verlieren, fesselt die Charaktere in spiegelbildlich ausgeformter Deutlichkeit nur noch enger aneinander.

Bille August fokussiert Geschehen und Emotionen ganz auf Gregorys Familie: Diane Kruger gibt die zunächst grob rassistische, hyperehrgeizige Vollzugsbeamtenehefrau, die sich nach 27 Jahren ziemlich plötzlich zum Mandela-Fan wandelt; die Familie des ANC-Führers wiederum – Ehefrau Winnie und Mandelas in die Politik drängende Tochter – taucht immer dann auf, wenn Gregorys allmähliche Läuterung illustriert werden soll. Und: Mit Ausnahme eines explodierenden Autos und kurzer Fernseh-Dokumente bleibt die politische Wirklichkeit jener Repressionsjahrzehnte ausgespart.

So ist, und das muss Bille August erst mal jemand nachmachen, „Goodbye Bafana“ ein Revolutionsfilm für die ganze Familie geworden – überwiegend auf Vorabendserienniveau. Joseph Fiennes und Diane Kruger stolpern darin meist bejammernswert herum, während Dennis Haysbert als Mandela das Gefühlsfeld Würde würdevoll verwaltet. Gerade sahen wir, in Stefan Ruzowitzkys „Die Fälscher“, den stets tapfer pragmatischen Geldfälscherhäftling gegen den stets aufrechten Kommunisten antreten – ist (Zeit)-Geschichte derzeit nur was fürs Kintopp, mit Pappkameraden?

Heute 12 und 23.30 Uhr (Urania) und 20 Uhr (International), 18. 2., 13 Uhr (Berlinale-Palast)

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