Kultur : Der Heilsbringer

Staatsminister Nida-Rümelin bei der Kölner Popkomm

NAME

Keynote Address heißt das, wenn Kultur-Staatsminister Julian Nida-Rümelin auf der Popkomm 2002 spricht. Und als warmen Applaus könnte man wohl bezeichnen, was nach seiner Rede durch den Großen Rheinsaal des Kölner Kongress-Zentrums schallte. Dabei kam Nida-Rümelin nur kurz vorbei, um nach einer guten halben Stunde Redezeit schnell wieder zu gehen. Und es schien, als erwarteten die Musikindustriellen sogar vom obersten Kultur-Beauftragten des Bundes rein gar nichts mehr – die viel beschworene Krise der Popmusik zeigt sich auf der Popkomm eben nicht nur an der verminderten Zahl der Aussteller. „Ich bin nicht hierher gekommen, um als Schlaumeier aufzutreten", schickte Nida-Rümelin gleich vorweg. Dann folgte ein langes Plädoyer dafür, die Popmusik ernst zu nehmen, das Schubladendenken der Förderkultur aufzuheben und die musische Bildung an den Schulen zu sichern, die durch nichts zu ersetzen sei.

In Bezug auf die Raubkopien-Krise meinte Nida-Rümelin, dass nicht nur neue Gesetzesentwürfe und damit verbundene Sanktionen das illegale Herunterladen von Musikdateien aus dem Internet eindämmen können. Urheberrecht sei Qualtitätsschutz, den man ernst nehmen und in öffentlichen wie privaten Debatten immer wieder thematisieren müsse. Lobend erwähnte Julian Nida-Rümelin das neue Internet-Angebot des seit kurzem in Berlin residierenden Plattenkonzerns Universal, www.popfile.de . Dort könne man für wenig Geld auch Neuerscheinungen direkt auf den Heimcomputer überspielen.

Auch Nida-Rümelin wandte, wie viele auf der noch bis heute abend andauernden Popkomm, den krisengeschüttelten Blick in das benachbarte Frankreich, das seine Umsätze im vergangenen Jahr um glatte zehn Prozent steigern konnte. Verantwortlich dafür, so der Kulturstaatsminister, seien das gesetzlich verordnete Vorführen von landeseigenen Produktionen, die Sprachquote und die daraus resultierende höhere Vielfalt des Angebots. Dies lasse sich jedoch auf keinen Fall auf den deutschen Markt übertragen, ohne sich des Verdachts auszusetzen, deutschen Protektionismus zu betreiben. Trotzdem müsse die Dominanz des US-amerikanischen Marktes zumindest in Teilen aufgehoben werden, so Nida-Rümelin. Beim Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft zumindest fielen Nida-Rümelins Forderungen auf fruchtbaren Boden: „Nahezu alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, musikalischen Mainstream zu senden, statt die Musikkultur in ihrer Breite zu präsentieren", sagte der Vorsitzende der deutschen Phonoverbände, Gerd Gebhardt: „Dadurch vernachlässigen die Sender ihren Kulturauftrag, und deswegen fordert die Musikwirtschaft eine Quote für neue Talente und deutschsprachige Produktionen. Wir danken dem Staatsminister für sein Engagement zu diesem Thema." Und so war Julian Nida-Rümelindoch noch eine Art Heilsbringer. Esther Kogelboom

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben