Kultur : Der Januskopf des Terrors

Steffen Richter

Vor zwei Jahren wurde Spanien von einem Literaturkritik-Skandal erschüttert. Ignacio Echevarría hatte in „El País“ einen Roman des bekannten baskischen Autors Bernardo Atxaga nach allen Regeln der Kritikerkunst demontiert. Daraufhin versuchte die Zeitung, die Auswirkungen des Verrisses zu mildern, indem sie wohlwollende Interviews mit dem Autor, eine Reportage und einen Bericht nachschob. O glückliches Spanien, das den Urteilen seiner Literaturkritiker solches Gewicht beimisst! Atxagas Buch „Der Sohn des Akkordeonspielers“ (Insel Verlag) erzählt von zwei Jungen, die in den sechziger Jahren in einem baskischen Dorf aufwachsen. Die Gräueltaten der Franco-Anhänger im Bürgerkrieg werden hartnäckig verschwiegen, die antifranquistische baskische Nationalbewegung ETA formiert sich. Atxaga erzählt in einer Art Bildungsroman, wie die beiden Helden unversehens ins Getriebe der Organisation geraten. Das Ganze ist mit metafiktionalen Arrangements und geschickten Zeit- und Ortswechseln literarisch höchst kunstvoll inszeniert. Nur hatte bereits der Kritiker von „El País“ bemängelt, dass die Anfänge der ETA recht idyllisch und verharmlosend dargestellt sind. Heute stellt der Autor sein Buch im Instituto Cervantes (Rosenstr. 18–19, Mitte, 19 Uhr 30) vor.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben