Kultur : Der Sammler

Architekt Max Bächer in der Berliner Galerie Aedes

Ulf Meyer

Max Bächer wird bundesweit vor allem als „Diplomat“ geschätzt. In zahlreichen Jurys hat er großen Einfluss auf die deutsche Nachkriegsarchitektur genommen, ohne dabei dogmatisch (s)einen Stil zu propagieren. Bekannt ist Max Bächer als graue Eminenz der Architektur – als Architekt hingegen weniger. Zu seinem 75. Geburtstag vor zwei Jahren hat Bächer deshalb selbst eine Ausstellung gestaltet, die ihn als Entwerfer präsentiert. Sie ist unter dem Titel „Gebaute Orte aus fünf Jahrzehnten“ in der Galerie Aedes zu sehen. Auf Metalltafeln sind die Entwürfe von Max Bächer anhand von Zeichnungen und Schwarz-Weiss-Fotos nachzuverfolgen. Modelle fehlen leider.

Bächer hat kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Stuttgart Architektur studiert und ging dann für ein Jahr in die USA, wo damals der „International Style" Triumphe feierte. 1956 gründete Bächer sein Architekturbüro, und schon seine ersten Bauten zeugen vom Willen, im Deutschland des Wiederaufbaus den Anschluss an die Moderne wiederherzustellen. Bächers Entwürfe gingen mit der Zeit: von der unschuldigen Vulgärmoderne der fünfziger Jahre über den Sichtbeton-Brutalismus der sechziger Jahre bis hin zu den verspielten Zitaten der Postmoderne in den achtziger Jahren.

Überwiegend in südwestdeutschen Kleinstädten hat Bächer Wohnhäuser, Ämter und Parks gebaut. Einige seiner Bauten wurden zwischenzeitlich abgerissen (wie der kleine Schlossplatz in Stuttgart), andere stehen heute unter Denkmalschutz. Nur wenige Entwürfe übersteigen das Maß des Mediokren: In den frühen siebziger Jahren hat Bächer eine eindrucksvolle plastische Sprache entwickelt, besonders bei seinen Friedhofsentwürfen: Das Krematorium am Waldfriedhof in Leinfelden von 1973 etwa ist eine eindrucksvolle „Architektur des Todes“.

Allen Bächler-Arbeiten ist allenfalls die Auseinandersetzung mit dem genius loci und der umgebenden Landschaft gemeinsam. „Es käme mir nie in den Sinn, einen persönlichen Stil anzustreben“, sagte Bächer. Ein heterogenes Oeuvre – es spricht nicht gerade für einen starken Entwurfscharakter, aber für die Geschmeidigkeit, die Bächers Ruf als Juror begründet.

Galerie Aedes East, Rosenthaler Straße 40/41, bis 24. November. Kein Katalog.

Öffnungszeiten: Di bis Fr, 11-18.30 Uhr, Sa/So 13-17 Uhr. Info unter www.aedes-arc.de

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