Kultur : Der Sieg der Händler

Überdurchschnittlich hohe Verkaufsquoten lassen sich beileibe nicht nur mit dem Mode-Medium Fotografie erzielen.Die Herbstauktion von Bassenge hat gezeigt, daß es mit der alten Kunst, die über eine viel kleinere Klientel verfügt, ebenfalls geht: Über 85 Prozent der Werke des 15.bis 18.Jahrhunderts konnte das Haus verkaufen; das ist eine Bilanz, die mit der modernen Kunst kaum zu erreichen ist.

Sehr oft war es der Handel, besonders der amerikanische, der die Entscheidung herbeiführte.So konnte sich beim teuersten Werk, Rembrandts berühmter Radierung "Landschaft mit den drei Bäumen" (1643), die 185 000 DM erzielte (Taxe 175 000 DM), ein amerikanischer Händler gegen einen norddeutschen Privatsammler durchsetzen.Ebenfalls in die USA gingen Rembrandts "Abrahams Opfer" von 1655 für 58 000 DM (Schätzpreis 25 000 DM) und dessen "Bettler an der Haustür" (1648), die von 20 000 DM auf 48 000 DM schnellten.Vom deutschen Kunsthandel übernommen wurden etwa Altdorfers Holzschnitt "Jahel und Sisera" (um 1513) zu 12 000 DM (Taxe 900 DM) sowie der Kupferstich "Das sorglose Leben oder Der liederliche Haushalt" nach einer Bildvorlage Hieronymus Boschs für 33 000 DM (12 000 DM).Ein spanischer Händler zahlte 12 000 DM für Antoine Pesnes Kreidezeichnung einer erotischen Atelierszene (7500 DM), die gleiche Summe, die ein amerikanischer Privatsammler für Adolph von Menzels Zeichnung eines Knabenaktes bewilligte.Wohl wegen der fehlenden Signatur konnte Menzels virtuose Baumstudie nicht abgesetzt werden (25 000 DM).In Berlin blieb zum Beispiel die unvollständige erste Ausgabe von Schinkels "Decorationen auf den beiden Königlichen Theatern in Berlin" von 1819/24, die mit 19 000 DM den dreifachen Schätzwert erbrachte.

Nicht ganz so gut sah es beim 20.Jahrhundert aus, doch wurden auch hier zum Teil hohe Preise bezahlt.Gegen einen Berliner Sammler erstritt sich ein Frankfurter Privatkunde die vollständige Mappe der Meister des Staatlichen Bauhauses in Weimar von 1921 für 195 000 DM (180 000 DM).In die Sammlung Leopold in Wien wanderte die Titelabbildung des Kataloges, Noldes Farblitho "Tingel-Tangel II", die mit 40 000 DM exakt den Erwartungen entsprach.An zu hohen Preisvorstellungen scheiterte hingegen das kleine Blumenstilleben in Öl von Jawlensky aus dem Jahr 1936 (120 000 DM).Dafür gab ein westdeutscher Kunsthändler leichtsinnige 46 000 DM für Schmidt-Rottluffs beschnittenes Aquarell "Stilleben mit Früchtekorb" von 1962, das mit 6000 DM bewußt niedrig angesetzt worden war.Immer wieder erstaunlich sind auch die Preise für nicht gerade überragende Arbeiten von Zille: 40 000 DM, mehr als das Doppelte der Schätzung, zahlte ein westdeutscher Händler für eine kleine aquarellierte Kreidezeichnung mit drei munteren Mädchen, die von dem Berliner Lokalmatador um 1910 aufs Papier geworfen wurde. MK

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