Kultur : Der Tod macht die Musik

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Frederik Hanssen will keine ver.diArien mehr hören

Nein, das gehört sich nicht. Geburtstagskindern spuckt man nicht in die Suppe. Und doch: Wenn die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) im Berliner Konzerthaus ihr 50-jähriges Bestehen feiert, wird man das flaue Gefühl im Magen nicht los. Während salbungsvolle Worte gesprochen werden, muss man an den Zynismus von ver.di-Vertretern wie Frank Werneke denken, die kalt lächelnd erklären, deutsche Theater hätten kein Ausgaben-, sondern nur ein Einnahmenproblem: Aus dem Staatssäckel würde schlicht zu wenig Geld an die Bühnen überwiesen.

Um angesichts derart weltfremder Forderungen an den organisierten Arbeitsplatzbesitzern zu verzweifeln, muss man weder neoliberal noch ein Sophist sarrazinischer Prägung sein. Während die Intendanten längst gesamtgesellschaftlich argumentieren und sich auch Gedanken über die Arbeitslosen machen (zu denen ruckzuck auch ihre Belegschaften gehören könnten), klammern sich die Funktionäre an die These vom falsch verteilten Reichtum. DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens ist einer von ihnen. Überhaupt gelten die Vertreter der DOV landesweit als schärfste Hunde unter den Gewerkschaftlern. Mit einem Organisationsgrad von über 90 Prozent bilden die Musiker eine starke Truppe, die sich blitzschnell zur Panzerkette formiert, wenn es ans Umverteilen geht. Bundespräsident Johannes Rau, der zwar erkannt hat, dass die Tarifverträge die Theater von innen auffressen, bislang mit seiner Arbeitsgruppe aber lediglich ein mozzarellaweiches Konsenspapier zustande gebracht hat, sprach launig und kulturpolitisch korrekt. WDR-Intendant Fritz Pleitgen erhielt einen Preis und beließ es darum bei einem Hauch Kritik. Ab heute, wenn die Partytische wieder abgeräumt sind, sollte aber auch die DOV endlich Blickkontakt mit der Realität aufnehmen. Sonst wird sie den Festakt zu ihrem 65. Geburtstag kaum erleben.

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