Deutscher Buchpreis für Terézia Mora : Stimmen und Formen

In Frankfurt ist der Deutsche Buchpreis verliehen worden. Die begehrte Auszeichnung ging in diesem Jahr an Terézia Mora für ihren Roman "Das Ungeheuer".

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Terézia Mora
Terézia Mora im Buchpreis-Glück.Foto: dpa

Dafür, dass Terézia Mora aus einer „Kleingläubigkeit“ heraus keine Worte im Fall eines Buchpreisgewinns vorbereitet hat, gerät ihre Danksagung am Montagabend im Frankfurter Römer ziemlich lang. Von ihrem Faible für Helferfiguren auch in ihren Romanen spricht sie, nachdem verkündet worden war, dass sie für ihren Roman „Das Ungeheuer“ den Deutschen Buchpreis 2013 verliehen bekommt.

Und dann dankt sie ausgiebig den ihr zur Seite stehenden Menschen im richtigen Leben: ihrer Mutter, die immer mal dafür sorge, dass ihr Kind zu essen bekommt, wenn sie am Schreibtisch sitzt. Ihrem Lebensgefährten, der sie in sein Zimmer in ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg lasse, wenn sie ihm neu von ihr verfasste Buchpassagen zeigen möchte. Und auch ihrem Lektor beim Verlag, Klaus Siblewski. Am Ende betont Mora noch ihre Freude darüber, dass die Jury explizit hervorgehoben habe, mit „Das Ungeheuer“ einen Gegenwartsroman auszuzeichnen – und sie sich in einem starken Jahrgang durchsetzen konnte.

Tatsächlich ist es dieses Jahr schwer gewesen, einen eindeutigen Favoriten zu benennen: Moras Roman und Clemens Meyers „Im Stein“ wurden am häufigsten genannt. Aber immer mit der Einschränkung, dass sie gerade formal-ästhetisch vielleicht eine Idee zu ambitioniert für ein großes Lesepublikum sind. Und es deshalb auch auf die etwas konventionelleren Romane von Marion Poschmann oder Mirko Bonné zulaufen könnte.

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Der Vorzug der Publikumsgängigkeit

Meyer mit seinen Kapitel für Kapitel wechselnden Helden, der Vielstimmigkeit seines Romans, die unter anderem auch in den Bewusstseinsstrom einer Stadt mündet. Und eben Mora, die ihren Roman grafisch zweigeteilt hat: Jede Seite wird von einer horizontalen Linie durchzogen. Oben ist „Das Ungeheuer“ ein Roadroman, der die Geschichte von Darius Kopp erzählt, multiperspektivisch, in einem steten, oft bruchlosen Wechsel zwischen der ersten, zweiten und dritten Person Singular. Kopp ist mit der Asche seiner Frau Flora, die sich das Leben genommen hat, in vielen Ländern Osteuropas unterwegs und landet am Ende in Griechenland. Und unter der Linie gibt es entweder nichts oder Notate von Flora, die Kopp nach ihrem Tod gefunden hat und nun nach und nach liest.

Zwei Stimmen und zwei Textformen, die auf ungewöhnliche Weise miteinander korrespondieren – das ist nicht immer leicht zu lesen, aber von großer psychologischer Einfühlsamkeit und zeitdiagnostischer Gegenwärtigkeit. Keine „lauen Kompromisse“ eingehen zu wollen, hatte der Juryvorsitzende Helmut Böttiger verkündet und dabei vielleicht auch an den von ihm sehr geschätzten, gleichfalls nominierten Reinhard Jirgl gedacht.

Sieht man davon ab, dass es Clemens Meyer ebenso gut hätte werden können, ist die Entscheidung für Terézia Mora sicher der stärkste, bestmögliche Kompromiss. Und zudem ein eindeutiges Zeichen dafür, dass man beim Deutschen Buchpreis literarischen Kriterien weiterhin den Vorzug vor Publikumsgängigkeit gibt.


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