Deutsches Symphonie-Orchester : Im Mondlicht

Kent Nagano, der Ehrendirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters, bezaubert mit Interpretationen von Wagner, Strauss, Schubert und Schönberg.

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Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und Kent Nagano
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und Kent NaganoFoto: Kai Bienert

Zwar steht „Langsam und schmachtend“ über dem Vorspiel zu Richard Wagners „Tristan“, aber Kent Nagano beginnt sehr behutsam, beinahe buchstabierend, eindringlich in den Zäsuren des Schweigens, um die Melodie belebend, flexibel in ihre drängenden Steigerungen zu treiben. Das Vorspiel, verbunden mit „Isoldes Liebestod“ in instrumentaler Fassung, ist in diesem Konzert reine Betörung.

Als ehemaliger Chef- und heutiger Ehrendirigent des Deutschen Symphonie- Orchesters versteht sich Nagano einfühlsam mit den Musikern, dem seither verjüngten Klangkörper, dessen Jubiläumskonzert zum 70-jährigen Bestehen er im November leiten wird. Dass er in der Oper als GMD in München und jetzt in Hamburg an Reife noch gewonnen hat, zeigt sich auch in der Philharmonie. Die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss kann man nicht schöner begleiten, als es ihm hier mit dem Orchester gelingt: großes Instrumentarium in feiner Zurückhaltung, aber voller Kolorit. Erhaben über die bekannte Versuchung, zu laut zu werden, trägt dieser Klang den Sopran Miah Perssons. Sie folgt der melodischen Faszination, während von der Dichtung Hesses und Eichendorffs wenig zu verstehen ist, nichts vom „Zauberkreis der Nacht“.

Als Melodiedirigent feiert Nagano die „Unvollendete“ von Schubert und Schönbergs „Verklärte Nacht“. Dessen Opus 4 ist Hochromantik, konzentrierte Melodik expressiv. Schönberg hat damals aus den Partituren Wagners gelernt. Aber „Verklärte Nacht“ ist Programmmusik nach einem Gedicht Dehmels, das ein „erschütternd schwieriges Problem“ (Schönberg) behandelt. Man hört die verzweifelte Stimme einer Frau, die ein Kind erwartet, das nicht von dem Mann ist, den sie liebt. Die Tragödie beruht auf einer seltsamen Verquickung von Pflicht und Sünde der Schwangeren, während der Mann großmütig reagiert. Dazu schimmert Mondlicht. „Sehr groß“ schwärmt die Musik von der Schönheit der Natur. Und mit ihr glänzen die Streicher.

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