Kultur : Deutschlands größte Ausstellung

Kunst am Bau: Die Bundesinitiative wird 60

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Was schenkt man einer ambitionierten Idee zum 60. Geburtstag? Einer großartigen Initiative des Deutschen Bundestags, die inzwischen jedoch leicht ergraut und deshalb reif für ein kleines Lifting ist? Ein Festvortrag, wie ihn der versierte Architekturkritiker Michael Mönninger im Berliner Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gehalten hat, ist genau richtig. Schließlich geht es um Kunst am Bau, das viel gelobte, aber eben auch gescholtene Werkzeug des Bundes, mit dem dieser seit sechs Jahrzehnten Künstler fördert und sich im Ausland – wo viele Skulpturen in Deutschen Botschaften untergekommen sind – mit einer „kulturellen Signatur“ empfiehlt. Und nebenbei die „größte dezentrale Dauerausstellung“ des Landes geschaffen hat, wie Staatssekretär Rainer Bomba zur Feierstunde sagt.

Eine PostkartenEdition versammelt nun 60 Exempel von 1950 bis heute. Bekanntes ist darunter, wie Norbert Krickes „Große Mannesmann“, die heute auf dem Vorplatz des Unternehmens in Düsseldorf steht und 1961 den Weltausstellungspavillon zierte. Oder „Têtes et Queue“ (1965) von Alexander Calder an der Neuen Nationalgalerie in Berlin. Wer weiß schon, dass auch diese imposante Stahlplastik auf das Bestreben des Bundes zurückgeht, mindestens 0,5 Prozent der Bausumme für architektonische Vorhaben in zeitgenössische Kunst zu investieren? Früher wurden viele Aufträge direkt vergeben. Inzwischen konkurrieren Künstler im Wettbewerb um die Projekte.

Was man zwischen den Postkarten vermisst, ist das jüngste Kunst-am-Bau-Projekt. Zwar wurde es zeitgleich zum Jubiläum in Treptow aufgestellt. Ansichten wird es künftig jedoch nur im Internet geben. Und auch die Einweihung von „Pure Moore“ des Berliner Künstlers Fritz Balthaus erfolgte ohne Öffentlichkeit auf dem Freigelände des Bundeskriminalamtes. Außer den Beamten wird es niemand zu sehen bekommen, weil der Ort hermetisch abgeschirmt ist. Das mag gut für eine Plastik sein, die sich auf einen spektakulären Raub bezieht: „Pure Moore“ zitiert eine Arbeit von Henry Moore, die 2006 aus dem Garten des Bildhauers gestohlen und danach eingeschmolzen wurde, weil es den Dieben bloß ums Altmetall ging. Und schade für all jene, die gern im Original sehen würden, wie Balthaus diesen rüden Umgang mit einem Kunstwerk interpretiert: Er stapelt exakt so viele Bronzebarren, wie Moore seinerzeit verbraucht hat.

Um die Unsichtbarkeit zahlreicher Ankäufe geht es Mönninger in seiner Rede jedoch nicht. Er kritisiert vielmehr, dass Kunst am Bau oft zur „künstlerischen Anstecknadel“ schrumpfe. Als Schmuck der Beteiligten. Mit dem jeweiligen Haus, seinen Funktionen und der architektonischen Sprache habe sie nichts mehr zu tun. Die anschließende Talkrunde mit Künstlern wie Marcel Odenbach und Veronika Kellndorfer nimmt die Kritik dankbar auf. Beide bemängeln den späten Zeitpunkt, an dem man Künstler involviere und wünschten sich Veränderung. Vielleicht genügt das als Lifting für die nächsten zehn Jahre. Christiane Meixner

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