Kultur : Dichterfreunde

SYBILL MAHLKE

"Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte": So ist der glückliche Ausgang der "Bürgschaft" von Schiller in den deutschen Zitatenschatz gewandert.Aber die Geschichte selbst, die ein Freund zwischen Stromes Wut und Brand der Sonne durchsteht, um den Freund zu retten, sie dürfte den meisten von uns aus dem Bildungsgedächtnis entfallen sein.Siegfried Lorenz erzählt die Ballade neu, während Herbert Kaliga den rhapsodischen Klavierpart der Schubert-Vertonung einbringt.Zu erleben ist, wie der klassische Sänger zum Barden wird, begreiflicherweise ins Schwitzen gerät über den haarsträubenden Abenteuern seines Helden, bis sich dieser mit dem ebenso heldenhaften Freund in den Armen liegt und der lyrische Ton dominiert: "Und weinen für Schmerzen und Freude".Gleich dem Volk umher ergreift die Zuhörer Erstaunen, weil sie sich durch die Spannung des Vortrags plötzlich in eine Zeit versetzt fühlen, deren Unterhaltung ohne TV-Soaps ausgekommen ist.Lorenz und Kaliga verfolgen "Goethe-Spuren" im Lied, indem sie Schiller einbeziehen: ein Abend zum Nachdenken und Freuen.Etwa Othmar Schoeck: einem der schönsten zukunftweisenden Gedichte Goethes, "Dämmrung senkte sich von oben", ist der kleinere Nachromantiker nicht gewachsen.Franz Liszts "Über allen Gipfeln ist Ruh" zu begegnen, bringt Gewinn: Über andere Vertonungen hinaus, auch die Schuberts, meint man hier eine Sehnsucht zum Tod zu vernehmen.Das "Heideröslein" ist bei Siegfried Lorenz, entfernt vom Volkston, ein Gipfel kunstloser Kunst.Das ganze Programm wird im Kleinen Saal des Schauspielhauses mit trampelnden Ovationen honoriert.Ein Höhepunkt heißt "Anakreons Grab", das Gedicht auf den griechischen Dichter, wo Goethe selbst den Anakreontikern nahe ist.Von Hugo Wolf überhöht, wird "Anakreons Ruh" bei dem Sänger Peter Lorenz erfüllte Stille.

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