Kultur : Die Architekten Barkow & Leibinger in der Berliner Galerie Aedes West

Falk Jaeger

Harvard, Cornell, Ithaca, Rom, London: Der in Kansas City gebürtige Frank Barkow und seine Partnerin Regine Leibinger sind in den renommierten Architekturschulen zu Hause, haben dort gelernt und gelehrt. Ihr Werdegang zeigt, dass internationale Orientierung notwendig ist, um zeitgemäß und konkurrenzfähig zu sein. Theoretisch fundierte konzeptionelle Arbeit - das ist Merkmal ihrer Baukunst, die sie als Fortführung der Moderne verstehen.

So gilt ihre Aufmerksamkeit der Oberfläche als Ort des wesenhaften Ausdrucks von Material und Raum des Bauwerks. Sie bauen also keine Bilder, vielmehr verfolgen sie konzeptionelle Ansätze funktionalistischer oder kontextueller Art. Der Begriff der Landschaft etwa wird zum Thema selbst bei Bauten für die Industrie, die ja üblicherweise als profitmaximierte Nutzbauten keine kulturell orientierte Aufmerksamkeit genießen. Über neuere Projekte des Duos informiert jetzt die Ausstellung "Cultivating the Landscape. 2 Hallen 2 Landschaften" in der Galerie Aedes West mit reichlich Anschauungsmaterial und faszinierenden Modellen .

In Ditzingen, an der Peripherie von Stuttgart, war eine Laserfabrik mit Logistikzentrum zu errichten. Die lapidaren Industriebaugrundrisse beginnen in der Dachzone ein Eigenleben, die Flächen falten sich auf, erscheinen als Metamorphose der kleinfeldrigen Landwirtschaft ringsum, verwandeln sich in Landschaft. Im Inneren des Hauses herrscht der Rationalismus in seinen zwei Ausprägungen: technisch-puristische Stahlstruktur über kunstlosen Betonstützen in den Werkhallen, kühle, formal kontrollierte Materialität in der Lobby und im zwischengeschobenen Erschließungsbauwerk. Das Profipaar schätzt die "Neue Einfachheit", verzichten auf Sockelleisten und Rahmen, gestaltet Leuchten als Nischen im Beton, wo verdeckte Neonröhren indirektes Licht spenden.

Noch weiter gehen Barkow und Leibinger bei der Transformation der märkischen Landschaft in ein architektonisches Artefakt beim Pavillon "Biosphäre" für die Bundesgartenschau 2001 in Potsdam. Glaziale und menschengemachte Formationen, Drumlins (Moränenhügel) aus der geologischen und sowjetische Schießstandwälle aus der politischen Eiszeit bilden bestimmende Elemente des Raumes, der durch Ein- und Ausschnitte, Treppen- und Rampenwege, Schott- und Glaswände differenziert wird. Die alles Runde, Organische meidende Geometrie setzt das Artefakt in einen Gegensatz zur allgegenwärtigen Natur, in die sich die Architektur trotzdem bis zur Selbstverleugnung einbettet. Hier wie selten wird die ausstellungstechnische Inszenierung der Natur, die künstliche "Biosphäre" mit Felsschlucht, Wald und See, den Charakter der Architektur mitbestimmen. Die engagierte Ausstellung bei Aedes nimmt das Ereignis - soweit möglich - vorweg.Galerie Aedes West, Savignyplatz, Stadtbahnbogen 600, bis 23. Januar. Katalog 20 Mark.

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