Kultur : Die Bangkoker Luft

PETER HERBSTREUTH

Im Englischen meint "Metropolis" nur Großstadt.Im Deutschen jedoch schließt Metropole einen kulturellen Maßstab und Kriterien der Verknappung und Dichte ein, die für die Welt exemplarisch sind.Tokio, London, New York, Sao Paulo gehören dazu.Bangkok hingegen ist eine junge Großstadt mit sieben Millionen Einwohnern.Sie wurde 1782 als Sitz des thailändischen Königs gegründet und hat in den letzten zwanzig Jahren ihre Einwohnerzahl mehr als verdoppelt.Um die Wirtschaft anzukurbeln, gewährte die Regierung Steuererleichterungen für neue Autos.75 Prozent aller Autos in Thailand sind im Großraum Bangkok registiert.1960 waren es 70 000; nun sind es fast drei Millionen.Geht man zwanzig Minuten auf der Straße, brennen einem die Nasenflügel.Die Abgase sind erstickend, die Verkehrsflüsse bewegen sich zäh.

Die Stadtverwaltung ließ eine Zone errichten, die Autofahrern Gebühren für die Zufahrt in die Innenstadt abverlangt.Damit war das Problem eingedämmt, aber nicht gelöst.Während die Stadt sich immer mehr verdichtete, begann sie gleichzeitig zu implodieren.Vor wenigen Jahren schlug deshalb der Innenminister vor, die Regierungs- und Parlamentsgebäude in eine Satellitenstadt auszulagern und das Verkehrssystem durch Schnellstraßen, Hochbahnen und U-Bahnnetze zu erweitern.Davon handelt die Austellung in der Galerie Aedes East, die ihre Räume der Stadtverwaltung Bangkok und dem thailändischen Generalkonsultat in Berlin zur Verfügung gestellt hat.

Texttafeln mit historischen und aktuellen Situationsfotos, Häuserzeilen, Straßenszenen, Märkten und detaillierten Aufnahmen und Plänen des "Bangkok Elevated Road and Train System" beherrschen die Schau.Die BERTS genannte gigantische Anlage wird in Kooperation mit deutschen Firmen momentan gebaut, verläuft 28 Kilometer unterirdisch durch die Innenstadt und ebenso viele Kilometer als Doppelviadukt zwölf Meter über normalem Straßenniveau.Auf diesen innovativ technischen Aspekt legt die Präsentation besonderen Wert.Ein Film zeigt die Männer beim Bau der Hochbahn in Zeitlupe, betont ihre Präzisionsarbeit und feiert die moderne Technik.Die Stadt will das Image, zu den größten Luftverpestern Asiens zu gehören, abstreifen und verbreitet ein problembewältigendes Bild.Wenn die Trassen fertig sind, wird ein Ruck durch Bangkok gehen.Die Räder rollen wieder.Dann wird man sich der Kanalisation zuwenden.Erst die Hälfte der Haushalte haben Anschlüsse.Der Rest fließt in die Klongs.

Galerie Aedes East, Hackesche Höfe, bis 16.September; Katalog 20 DM.

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