Die Biennale Momentum in Norwegen : Kunst am Fjord

Am 17. Juni beginnt auf der kleinen norwegischen Insel Moss die Biennale Momentum. In Berlin präsentierten die Ausstellungsmacher ihr Programm rund um das Thema Entfremdung.

Nicola Kuhn
Videostill von Rana Hamadehs Werk "The Sleepwalkers" von 2016. Foto: Art Press/Courtesy the artist
Videostill von Rana Hamadehs Werk "The Sleepwalkers" von 2016.Foto: Art Press/Courtesy the artist

Zum guten Ton einer Biennale gehört es mittlerweile, sich zuvor in der Welt bekannt zu machen, nach London, New York, Paris zu reisen – und natürlich auch Berlin. Bei der Biennale di Venezia ist es längst Ritual, drei Monate vorher in die italienische Botschaft einzuladen und die Künstlerliste vorzulegen. Die sehr viel kleinere Biennale Soccle du Monde im dänischen Herning bat dagegen ins Lichtenberger Atelier von Tomás Saraceno. Die Dritte im Bunde, die skandinavische Biennale Momentum auf der norwegischen Insel Moss, präsentierte sich nun wiederum im Felleshus, dem Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften.

Das passt, denn seit ihrer Gründung 1998 entsenden die skandinavischen Länder jeweils einen Ausstellungsmacher ins fünfköpfige Kuratorenteam. Alle zwei Jahre soll ausgelotet werden, was denn nun das Nordische in der Kunst sei. Die Nabelschau gestaltet sich jedoch offen, auch nicht-skandinavische Künstler sind jedes Mal dabei.

In diesem Jahr ist als Thema „Alienation“ gewählt. Auch das passt, wie der norwegische Attaché zur Begrüßung im Felleshus erklärte. Zwischen 1913 und 1916 lebte Edvard Munch, der berühmteste Künstler des Landes, auf der 60 Kilometer vor Oslo gelegenen Insel. Und wenn etwas seine Malerei charakterisiere, dann sei das ja wohl das Stichwort „Entfremdung“.

Die am 17. Juni beginnende Biennale changiert bei ihrer Umkreisung des „Fremden“ zwischen Besorgnis und Neugierde. Fremde Lebensformen und Prozesse gehören längst zum Alltag, der isländische Kurator Jón Ransu nannte als Beispiel den Herzschrittmacher. Die 33 geladenen Künstler entwickeln eigene Zugänge, sei es durch Traum-Untersuchungen, zu denen sie die Besucher in drei Schlafkliniken animieren wollen, oder die Entwicklung von Lebensmitteln auf Insektenbasis in einer „Fly Factory“, um der globalen Nahrungsarmut Herr zu werden. Was daran nordisch ist, wird sich erst vor Ort erweisen. Im Zweifel liefert der Oslo-Fjord zumindest den reizvollen landschaftlichen Hintergrund. (Mehr Infos unter: www.momentum9.no)

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