Kultur : Die dilettantische Frische ist fort

Sebastian Wehlings

Es gab mal eine Zeit, da wurde jeder hoffnungsvolle Newcomer gleich danach befragt, ob er die in die Krise geratene Rockmusik retten könnte. Das war Anfang der neunziger Jahre, und Pavement waren es schließlich, bei der man diese Mission in besten Händen sah. Für ihr 1992 erschienenes Debütalbum "Slanted & Enchanted" feierten sie die Kritiker als die post-moderne Band, die noch einmal das Unmögliche schaffe: Rockmusik zu einem neuen, ungehörten Erlebnis zu machen. Sieben Jahre sind seitdem vergangen. Sänger Malkmus sieht beim Konzert im Columbia Fritz mit seinem schief geschnittenen Seitenscheitel immer noch aus wie ein der Poesie und Seltsamkeit verfallener Collegestudent. Aber es braucht nicht mehr als ein paar Takte des Openers "Cut Your Hair", um festzustellen, dass die Zeit an ihm und seiner Band nicht spurlos vorrüber gegangen ist. Die Gitarren krachen mächtiger, der Sound ist perfekt arrangiert, doch die dilettantische Frische ist fort. Pavement beherrschen inzwischen ihre Instrumente und mit denen veranstalten sie jetzt minutenlange Artrock-Sessions. Auf den Punkt wird sich da durch die Songs des letzten Albums "Terror Twilight" gedaddelt und gequietscht. Die Unbekümmertheit und Lässigkeit von einst sind zur Pose erstarrt. Es spricht für sich, dass der schönste Moment dieses Albends eine Coverversion ist. Als Zugabe spielen Pavement "Killing Moon" von Echo & The Bunnymen. Ein goldener Song der achtziger Jahre, dem sein Zauber nicht zu nehmen ist. Malkmus hat in einem Interview gesagt, dass er jetzt erst einmal ein Soloalbum plane und nicht wisse, ob es mit Pavement weitergehe. Vielleicht ist es einfach an der Zeit, aufzuhören. Wir werden andere Auftritte als diesen in Erinnerung behalten.

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