Kultur : Die Entdeckung der Mehrdeutigkeit

ELFI KREIS

Arbeiten von Haim Steinbach zeigte Achim Kubinski bereits in seiner Stuttgarter Galerie.Nun präsentiert er in Berlin eine Reihe von neuen Zeichnungen (900 bis 1500 US-Dollar) des amerikanischen Neo-Konzeptualisten, die im Gegensatz zu Steinbachs Objektinstallationen wenig bekannt sind.Steinbach benutzt Werbeslogans aus Zeitungen, Zeitschriften oder Büchern.Anders als bei den Installationen bei denen einfache Sätze oder auch nur einzelne Worte in übergroßen Lettern direkt auf Museums- oder Galeriewände reproduziert werden, handelt es sich hierbei um kleinformatige, ja intime Werke.

Mit Bleistift strichelt und schraffiert Steinbach noch das kleinste i-Tüpfelchen, überführt minutös jedes Detail des ursprünglichen Drucks in nebulöse Grautöne.Aus der Distanz wirken seine gezeichneten Texte und Textfragmente wie gedruckt, nur scheinen sie zu verblassen und im Entschwinden begriffen.Steht man direkt vor ihnen, verraten kleinen Unregelmäßigkeiten die manuelle Handschrift.Mit ihr verleiht Steinbach den ursprünglich anonymen Slogans Persönlichkeit."Use the key", "lighten up" lauten verbale Mitteilungen mit Aufforderungscharakter.Zuweilen beschränkt sich Steinbach auf isolierte Einzelworte wie "rich" oder "or".

In ihrer Einfachheit liegt bereits die eigentliche Botschaft.Es sind leere Worthülsen ohne spezifische Eigenschaften.Sie können alles und nichts bezeichnen.So gibt Steinbach den Sprachmustern etwas zurück, das sie längst und nachhaltig verloren zu haben schienen: ihre Mehrdeutigkeit.

Galerie Achim Kubinski, Leipnizstraße 59, bis 5.Juni; Dienstag bis Freitag 14 - 18 Uhr, Sonnabend 10 - 14 Uhr.

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