Kultur : Die Kraft eines Lächelns

Leigh & Hawkins machen Laune

Andreas Conrad

Begegnungen mit Stars in der Wirklichkeit können ernüchternd sein. Diese dröge Person da auf dem Podium hat mich auf der Leinwand begeistert? Aber es kommt auch vor, dass das Traumbild vom Menschen kaum zu trennen ist. Dann muss der Schauspieler warnen: „Vorsicht, das war doch nicht ich. Das war nur die Rolle.“

So wie gestern Sally Hawkins auf der Pressekonferenz zu „Happy-Go-Lucky“: Alle im Raum sind von ihrer Poppy noch ganz bezaubert, und wie sie jetzt dasitzt, mit einem teils strahlenden, teils fast selbstvergessenen Lächeln auf den Lippen – nein, das ist doch nicht Sally, das ist Poppy, oder?

Klar, dass dann Fragen kommen, wieviel von ihr in Poppy stecke und wieviel sie umgekehrt von ihrer Figur gelernt habe. „Durchaus optimistisch“, aber darin von ihrer Figur doch noch weit entfernt, so schätzt sie sich ein. Irgendwann lässt sie auch fallen, eigentlich sei sie „ein Alptraum“, aber das ist wohl nur einer von Poppys Scherzen. Was Sally hingegen gelernt hat: „Es ist immer alles einfacher, wenn man lächeln kann.“ Auch möchte sie die Figur, die ganze Geschichte nicht zu britisch gedeutet sehen, eher allgemein, menschlich eben. Poppy sei „a London girl“, liebe ihre Stadt, das schon, darüber hinaus aber freue sie sich grundsätzlich am Leben. Egal, in welcher Stadt sie lebe, immer würde sie das Beste daraus machen.

Auch Regisseur Mike Leigh wehrt sich gegen eine irgendwie nationale Zuordnung des Films und seines Humors, auch wenn er natürlich in einer typisch englischen Welt spiele. Ihm geht es nicht ums Nationale, sondern um das Leben in all seinen Facetten. Die Deutung, nach seinen früheren Dramen sei er jetzt zur Komödie gewechselt, will er so nicht stehen lassen, komische Elemente habe es bei ihm stets gegeben. Was das Besondere von „Happy-Go-Lucky“ sei: Auch wenn die Welt auf eine Katastrophe zusteuere, wolle er zeigen, wie wichtig es sei, die schon zur Mode gewordene pessimistische, trübe Weltsicht zurückzuweisen. Eben indem er eine durchweg positive Figur in den Mittelpunkt stelle, die beispielsweise kleine Kinder wirklich etwas vom Leben lehren wolle. „In jedem Land“, so der 64-jährige Brite, „gibt es Menschen, die diese positive Kraft haben.“

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