Kultur : Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Glücksmomente: Catherine Deneuve sprach über ihren Film „Les temps qui changent“

Andreas Conrad

So viel Extravaganz muss sein, das ist eine Diva ihrer Rolle wohl schuldig. Anderswo drängen sich die Raucher eingeschüchtert in den letzten, ihnen aus reinem Mitleid zugewiesenen Reservaten zusammen. Catherine Deneuve aber sitzt in aller Öffentlichkeit oben auf dem Podium im Hyatt und hat sich ganz selbstverständlich eine angesteckt. Wobei sie keineswegs gierig daran zieht, als könne sie nicht anders. Nur hin und wieder nimmt sie gelassen einen Zug, könnte jederzeit damit aufhören, aber wozu, wenn es ihr, der Deneuve, doch so gefällt? Gelassen, geradezu hoheitsvoll blickt sie in die Runde, von unnahbarer Schönheit, während sie doch gerade versichert, es gebe zwar immer Bereiche, zu denen sie auf einem Festival keine Frage akzeptieren würde, aber ansonsten versuche sie so natürlich wie möglich zu sein. Nun, dann ist wohl gerade das Strenge ihre Natur.

Immerhin, sie ist pünktlich gekommen, mit nur einer Viertelstunde Verzug, man hat mit ihr schon anderes erlebt. Und sie entschuldigt auch, bevor es zu den Fragen geht, in aller Form ihren Kollegen Gérard Depardieu, der gerne mit ihr und Regisseur André Téchiné den gemeinsamen Film „Les temps qui changent“ vorgestellt hätte, aber ausgerechnet am Vortag haben die Dreharbeiten zu seinem neuen begonnen. Vor über 20 Jahren hat sie zum ersten Mal mit ihm vor der Kamera gestanden, mehrere Filme folgten. Der letzte aber lag schon recht lange zurück, da war sie natürlich neugierig, fast nervös, wie es diesmal sein würde. Eine unnötige Sorge: Es hat sich sehr schnell wieder gezeigt, dass er jemand ist, „der zu meinem Leben gehört, zu dem ich auch nach langer Trennung sofort wieder eine Beziehung anknüpfen kann“.

Beziehungen: ein Schlüsselwort dieser Begegnung mit der Deneuve. Liebesbeziehungen, um genau zu sein. Ein Thema, über das die Französin trotz aller Aussparung des allzu Privaten ausführlich zu theoretisieren weiß. Definitive Momente? In der Liebe spricht sie davon nie. Endgültigkeit gibt es für sie allenfalls in der Freundschaft, nicht in der Liebe. Diese ist, wie auch das Glück, nicht ewig. Liebesmomente, Glücksmomente – das sind außergewöhnliche Augenblicke. „Man lebt nicht nur von der Liebe.“ Ob Männer und Frauen unterschiedlich lieben? Catherine Deneuve glaubt es. Für die Frauen sei die Liebe das Wesentlichste im Leben, für die Männer zwar auch sehr wichtig, aber nicht das Wichtigste. Was ihr an dem Film besonders gefiel, war gerade, dass dies bei den von ihr und Depardieu verkörperten Figuren genau umgekehrt sei. Natürlich wird auch gefragt, ob es nach ihrer Meinung möglich sei, eine alte Liebe wiederzuerwecken und erneut zu lieben, was sie bejaht. Und die erste Liebe? „Sie ist die stärkste, dem kann ich nur zustimmen.“

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