Kultur : Die Lotsin geht von Bord

Architekturmuseum Frankfurt: Direktorin steigt aus

Christian Huther

Vor einer Weile schien die Welt noch heil in den Museen von Frankfurt am Main. Neue Direktoren sorgten mit populären Themen für viel Resonanz bei Publikum und Presse. Seit kurzem aber häufen sich die schlechten Nachrichten. Erst verlor das Moderne-Museum wichtige Sammlungsteile, nun hört die Direktorin des Deutschen Architekturmuseums vorzeitig auf. Die 62-jährige Ingeborg Flagge will „aus gesundheitlichen Gründen“ – so die offizielle Begründung – zum Jahresende 2005 in Pension gehen. Sie ist seit Juli 2000 im Amt, ihr Vertrag läuft noch bis Juli 2007.

Aber Flagge geht es gesundheitlich wohl gar nicht so schlecht. Viel eher ist sie deprimiert über den starken Schwund an Sponsoren. Flagge benötigt pro Jahr mindestens eine halbe Million Euro an Privatmitteln für Ausstellungen, Vorträge und Symposien. Doch das wird zusehends schwieriger, da viele ihrer Sponsoren aus der Baubranche kommen. Und die Geschäfte dort laufen nicht gut.

Zwar wird der städtische Ausstellungszuschuss für das Haus ab 2006 von 230000 auf 320000 Euro erhöht. Aber das fängt den wegbrechenden Sponsorenetat nicht auf. Flagge beklagte denn auch, dass ihr Museum in der Mainmetropole etwas abseits stünde. Für bildende Kunst, Sport und Soziales seien immer Geldgeber zu finden, kaum aber für Baukultur. Auch die Lokalpolitiker kümmerten sich zu wenig um das Museum, wie Flagge moniert.

Ihr Haus aber verlässt sie gut geordnet. Mit Ausstellungen über das World Trade Center, über den Ausbau des Frankfurter Flughafens und den Neubau der Europäischen Zentralbank hat sie die Besucherzahl in kurzer Zeit mehr als verdreifacht. Und das künftige Programm ist bereits bis Februar 2007 geplant und auch finanziell gesichert. Flagges Nachfolger hat also ein Jahr Zeit, sich um Geld und neue Ideen zu kümmern. Jetzt müssen nur die Kulturpolitiker innerhalb von fünf Monaten einen Kandidaten finden.

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