Kultur : Die neue Belgische Botschaft: Pepp statt Platte

Jürgen Tietz

Der Regierungsumzug an die Spree war den meisten Beteiligten lieb und vor allem ziemlich teuer. Noble Fassaden und edle Interieurs haben schließlich ihren Preis. Dass kostenbewusste Architektur nicht zwangsläufig zu billig wirkenden Ergebnissen führen muss, beweist die neue Belgische Botschaft in der Jägerstraße 52/53 in Mitte, die heute vom Belgischen König eröffnet wird. Nur 7,5 Millionen DM hat die Umwandlung des DDR-Plattenbaus gekostet. Umgesetzt hat dieses Unternehmen das Berliner Büro RüthnickArchitektenIngenieure. Die neue Botschaft könnte kaum zentraler gelegen sein. Auswärtiges Amt und Gendarmenmarkt liegen um die Ecke. Doch die Auswahl des Standortes hatte vor allem historische Wurzeln: Die Botschaft befand sich bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in der Jägerstraße. An ihrer Stelle entstand Mitte der sechziger Jahre ein typischer DDR-Plattenbau für das Ministerium für Staatssicherheit. Bei der Herrichtung dieser Platte hat das Architekturbüro von Elisabeth Rüthnick auf nationale Bezüge verzichtet: Brüssler Spitzen sucht man vergebens. Auf den ersten Blick ist der Altbau kaum wieder zu erkennen: In seinen beiden unteren Geschossen wurde der einst verschlossene Baukörper geöffnet. Große verglaste Bereiche sorgen für viel Transparenz. Einen Kontrast zu den Glasflächen bilden die linsenförmig ummantelten Stützen mit einem auffälligen orangefarbenen Akzent. Auch in den oberen Stockwerken erinnert kaum etwas an das gleichförmige Raster der Platten-Fassade. An seine Stelle ist ein anthrazitfarbener Putz getreten. Weit auskragende Rahmen betonen die neuen Fenster der Lochfassade. Der ebenfalls in peppigem Orange gehaltene Balkon der Straßenfassade dient künftig keineswegs als Rednerkanzel für den Belgischen Botschafter. Hinter dem Balkon verbirgt sich vielmehr die Wohnung des Hausmeisters. Zusätzlich hat das Haus ein Dachgeschoss mit mächtigen Dachgauben aufgesetzt bekommen. Schon durch ihre helle Farbigkeit und den Verzicht auf die Fensterrahmungen vermittelt die Rückseite des Gebäudes einen ruhigeren Eindruck. Hier ist eine typische Berliner Hofsituation zwischen den hohen Brandwänden der Nachbarbauten entstanden. Im Hof findet sich auch der einzige Neubau der Botschaft, der auf annähernd hufeisenförmigem Grundriss errichtete Mehrzweckraum.

Im Foyer wurde ein Teil der Decke entfernt, sodass sich jetzt eine Galerie um den teilweise doppelgeschossigen Empfangsraum legt. Die indirekte Beleuchtung versorgt die im Gebäudeinneren liegenden Flure mit der notwendigen Beleuchtung. Problematisch sind nur die vergleichsweise kleinen Bürofenster.

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