Kultur : Die Standhaften Chick Corea mit Band

in der Berliner Zitadelle

Martin Schwarz

Zusammen sind sie 311 Jahre alt, die fünf Musiker, die Chick Corea als Return to Forever IV – die dritte Wiederauferstehung der legendären Fusion-Band – auf der Zitadelle Spandau an diesem frischen, aber regenfreien Freitagabend versammelt hat. Es ist das erste von vier Konzerten in Deutschland. Dem nicht mehr ganz jungen Publikum erklärt der 61-jährige Drummer Lenny White: „In Amerika gibt es keine Musiker mehr, die Instrumente spielen, nur noch Boy Bands. Wir sind eine Man Band: the Last Band Standing!“

Trotz Jetlag sind die Musiker bester Laune. Pianist und Bandleader Chick Corea – soeben 70 geworden – stellt seinen soeben 60 Jahre alt gewordenen Weggefährten Stanley Clarke als „Mr. Ron Carter“ vor. Der revanchiert sich mit einem „Ladies and Gentlemen: Oscar Peterson!“ Der Spaß, den die Musiker haben, überträgt sich ungefiltert auf die Musik.

Von Beginn an verzaubern Return to Forever IV mit Spielfreude und Virtuosität. Diverse Soli des französischen Violinisten Jean-Luc Ponty (68) oder des australischen Jungspunds und Gitarristen Frank Gambale (52) wechseln mit perfekt vorgetragenen, komplexen Verschmelzungen der Instrumente, meist aus der Feder Coreas. Nur Lenny White hält sich an seinem türkisfarbenen Schlagzeug zurück.

Während die Flugzeuge hinter der Bühne unablässig von Tegel in die Welt starten, driftet der grandiose Abend seinem Höhepunkt entgegen. Zuerst legt Stanley Clarke in „Romantic Warrior“ ein schwindelerregendes Solo auf dem Kontrabass hin – überhaupt mutiert dieser Ausnahme-Bassist mit seinen Einlagen zum Star des Abends. Kurz darauf stellt Chick Corea seinem Klassiker „Spain“ das Motiv von „Concierto de Aranjuez“ voran und hält musikalische Zwiesprache mit Pontys Violine. Dann animiert er das Publikum, kleinere Melodien seines E-Pianos nachzusingen. Stehende Ovationen der coolen Jazzrock-Liebhaber. Die großartige Zugabe: „School Days“ von Clarkes 1976er-Album, mit einer groovenden Bassmelodie, die einen nach Hause begleitet. Martin Schwarz

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