Kultur : Die Stimmen der Schöpfung

LITERATUR

Carsten Hueck

Momentaufnahmen aus dem Leben einiger Israelis: bunt, surreal und kraftvoll. Kein Kapitel von Allein das Meer , dem neuen Roman von Amoz Oz (A.d. Englischen von Frank Heibert, Suhrkamp, 191 S., 19,90 €) hat mehr als zwei Seiten. Die einzelnen Teile des vielstimmigen Ganzen könnten auch für sich stehen – als Aphorismen, Dialoge oder Selbstgespräche. In einer musikalischen Sprache verwischt Oz Grenzen zwischen Prosa und Lyrik. Er berichtet von Begegnungen am Mittelmeer, im Himalaya, auf den Bergen des Herzens. Zentrum ist Bat Jam, die „Tochter des Meeres“, südlich von Tel Aviv.

Dort lebt Albert Danon, Steuerberater und seit kurzem Witwer. Sohn Rico durchstreift auf der Suche nach Erleuchtung Asien. Seine Freundin Dita, eine angehende Drehbuchautorin, besucht hin und wieder Albert. Sie schätzt dessen Hilfe in geschäftlichen Dingen, auch die Häuslichkeit des Sechzigjährigen. Zwischen ihm und der jungen Frau entsteht eine fragile Liebesbeziehung. Sein Begehren und seine Schüchternheit rühren Dita, ihre Nächte verbringt sie allerdings oft mit einem jungen Macho. Bei alledem gilt ihre Sehnsucht Rico.

Liebe, Fürsorge, Freundschaft, Begehren; Oz entwirft zwischen den Generationen und Geschlechtern ein Familienbild, in dem sich Israel und der Rest der Welt spiegeln. Die Figuren kommunizieren ständig miteinander, Grenzen von Zeit und Raum existieren nicht. Auch Amos Oz selbst wird zur Figur seines Romans. Mit elegischer Sensibilität, sanfter Ironie zeichnet er so auch ein poetisches Porträt der Schöpfung.

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