Die Wiener Kunstmesse Viennafair : Ostwärts

Die Viennafair ist eine Messe für Entdecker: In Wien stehen junge, spannende Galerien aus dem europäischen Osten im Mittelpunkt.

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Die Berliner Galerie Martin Mertens hat das Bild "Strange Memories" (2014) von Radu Belcin dabei
Die Berliner Galerie Martin Mertens hat das Bild "Strange Memories" (2014) von Radu Belcin dabeiFoto: Galerie Martin Mertens

Die Wiener Kunstmesse Viennafair findet ihre Identität im Osten und schärft ihr Profil. Nach dem Abgang der Glamour- Direktorin Vita Zaman, der sich schon länger abzeichnete, forciert die verbliebene Messeleiterin Christina Steinbrecher-Pfandt den Imagewandel zum seriösen Marktplatz. Mit Erfolg: Immer mehr junge Galerien aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn finden den Weg auf die Messe.

Diese Entwicklung war nicht zwangsläufig. Galerist Volker Diehl aus Berlin, seit 2010 erstmals überhaupt wieder auf einer Messe, sieht die Viennafair jedoch auf einem guten Weg. Der einheimische Markt sei eher schwach, die Orientierung nach Südosteuropa deshalb sinnvoll. Berlin habe seine Chance gehabt, aber nicht genutzt. Jetzt sei Wien an der Reihe. Er selbst tritt mit einer Solo-Präsentation der Russin Olga Chernysheva an, die in subtilen Bildern die soziale Realität Russlands reflektiert. Die Berliner Galerie Crone vermeidet diesmal den großen Auftritt und zeigt mit Hanne Darboven, Anthony Goicolea, Monika Grzymala oder Peter Welz eher erprobte Positionen. Deutschland stellt mit 16 Teilnehmern – drunter Zak Branicka, Plan B, Michael Schultz, Taik Persons und KOW – die größte internationale Sektion unter den auf 99 Kojen ausgedünnten Galerien.

Von den österreichischen Galerien sind einige nicht mehr dabei

Wohltuend ist die strengere Jurierung bei den österreichischen Galerien. Über zwei Dutzend der Vertreter, die bestenfalls ein einheimisches Publikum bedienen, wurden nicht mehr zugelassen. An ihrer Stelle hat man den Balkan gestärkt und prominent platziert: Selten wird das Auge mit so viel frischer, engagierter, dazu vergleichweise preiswerter Kunst wie hier konfrontiert. Bei Nicodim aus Bukarest gibt es großformatige Gemälde von Razvan Boar, die in ihrer Technik und ihrem skurrilen Humor an frühe Werke Sigmar Polkes erinnern (14 000 $). Bei so viel frischem Wind müssen sich die Österreicher anstrengen, um mitzuhalten. Rosemarie Schwarzwälder stellt sich dieser Herausforderung mit jungen Positionen ihrer Galerie Nächst St. Stephan. Als jung gilt in diesem Fall auch Ferdinand Penker, der kürzlich mit 64 Jahren verstorben ist, dessen erste Einzelausstellung in der Galerie jedoch noch aussteht.

Aber Wien wäre nicht Wien, wenn alle an einem Strang zögen. Martin Janda und Mezzanin haben sich der Messe ganz verweigert, andere nehmen nur mit einem Förderstand teil. Dafür scheint die Messe langsam in der Stadt anzukommen. Mit der Kunsthalle und dem Mumok eröffnen immerhin zwei Institutionen parallel aktuelle Ausstellungen.

Viannafair, bis 5. 10., www.viennafair.at

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