Kultur : Diese Woche auf Platz 3 Dido

„Life For Rent“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Ihr erster Hit war der weltweite Durchbruch für einen anderen Künstler. Dido Armstrong hat Eminem im Jahr 2000 zu seinem Hit „Stan“ verholfen. Dabei war sie selbst zu diesem Zeitpunkt ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Dido, von der Natur mit manchem gesegnet, unter anderem mit einem Bruder namens Rollo, sang gelegentlich in dessen Band Faithless. Rollo schraubte ihr im Gegenzug manchen Beat zusammen und brachte sie sogar mit Alicia Keys’ Entdecker Clive Davis zusammen.

Didos erstes Album wollte so recht niemand kaufen. Bis ein junger Mann aus den USA auf die Idee kam, ihren Song „Thank You“ zu sampeln. Der Erfolg von Eminems Titel „Stan“ verdankte sich zweifellos dem melancholischen Refrain von Didos Vorlage. Danach hätte Dido sich allein von den Tantiemen für das Sample ein angenehmes Leben machen können. Nun aber hörten die Leute endlich zu. Ein Effekt, den auch andere gesampelte Musiker kennen. James Brown verdankte den HipHoppern sogar ein ganzes Comeback. Auf Didos zuvor verschmähtem Album „No Angel“ fanden sich plötzlich ganze Sträuße immergrüner Melodien, zum Beispiel das unkaputtbare „Here With Me“.

Heute ist Dido, die Tochter eines Londoner Literaturagenten, 33 Jahre alt und wird weltweit als Göttin der Hoolkines gefeiert. Ihr zweites Album ist seit über drei Monaten auf den oberen drei Plätzen festbetoniert. Bruder Rollo bastelt weiter diese sparsamen Beats für sie, die exakt in der Mitte der Straße zwischen Pop, Folk und Dance liegen. Sie erreichen ein Publikum, das mit den elektronischen Stilen der Zeit nach Techno aufwuchs – und es heute gern mal kuschelig hat. Auch Dido hat sich etwas gediegener eingerichtet. Miete zahlt sie schon lange nicht mehr.

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