Kultur : Diese Woche auf Platz 50 Kraftwerk

„Tour de France 03“

Ralph Geisenhanslüke

HITPARADE

Heute werden bei der Tour de France die 191,5 Kilometer von Saint-Girons nach Loudinvielle gefahren, bevor es nächste Woche zum Endspurt auf den Champs Elysées geht. Ob das Hören von Kraftwerk-Tracks über Walkman-Kopfhörer im Profi-Radsport wohl schon als Doping gilt? Für Amateure verstößt es jedenfalls gegen die Straßenverkehrsordnung.

Doch diese Single ist eine Einladung zur Ordnungswidrigkeit. Besonders die „Long Distance Version“ kann auf längeren Strecken dazu führen, dass der Hörer wie ein Roboter in die Pedale tritt – so dass das Rad ihn fährt, und nicht umgekehrt. Sportler, die das meditative Moment im monotonen Vorgang kennen, werden diesen elastischen, vorwärtsdrängenden Stimulus schätzen.

Ein neues Album von Kraftwerk? Das galt lange Zeit als Running Joke im Musikgeschäft. Nun scheint es sich zu manifestieren. Und die erste Kostprobe, die Bearbeitung einer 20 Jahre alten Kraftwerk-Vorlage, lässt den Willen zur Neugestaltung erkennen – mag man auch, wie die BBC, über die neuen Textzeilen „Radio-Tour Information / Transmission Télevision / Reportage sur Moto / Camera video et foto“ kaum mehr als ein philosophisch-minimalistisches „Hmmm“ zustande bringen.

Kraftwerk, der einflussreichste deutsche Beitrag in der Geschichte der Popmusik, sind international anerkannt als Elektro-Gottväter. Selbst, wenn sie mal nur Karikaturen abliefern, wie mit dem Jingle zur Expo 2000 in Hannover, kann das ihren Ruf letztlich nicht nachhaltig beschädigen. Und: Sie sind Radsport-Fans. So wie sich dieser Track allmählich zwischen Gabel und Speichen schleicht, so wird wohl auch das neue Kraftwerk-Album eine längere Etappe durch die Charts fahren. Ausdauersportler wissen: Wenn man zu früh aufs Tempo drückt, rächt sich das in der Zielgeraden.

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