Kultur : Diese Woche auf Platz 9 Rosenstolz

mit „Macht Liebe

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Deutsche Revolutionen verlaufen in der Regel friedlich. Das Berliner Duo Rosenstolz, sonst in seinen Texten eher an Unterleibsbewegungen interessiert, hat sich für sein neuntes Album ganz dem Friedenschaffen verschrieben. Wie das geht? Durch ganz viel Liebemachen natürlich. Peter Plate und AnNa R. haben sogar ein Peace-Zeichen aufs Cover gemalt. Dazu singen sie zeitlose Reime wie: „Lass uns high high high heiß sein und dabei laut laut laut schrein.“ Es gibt sicher ödere Arten, seine Freizeit zu verbringen - auch wenn dieser synthie-plastös nach Neuer Deutscher Welle klingende Sound sich zur Beischlafbegleitung nur bedingt eignet.

Rosenstolz sehnen sich nach den Achtzigerjahren und die Plattenfirma verlautbart: „Den Schrei nach Revolution haben Rosenstolz hinter sich gelassen.“ Nur: Was soll das mit der Macht? „Macht ist doch was Geiles,“ gibt Peter Plate freimütig zu. Kommt irgendwie ungut der Spruch. Klingt nicht auch der Albumtitel „Macht Liebe" fast wie ein Befehl? Dazu gibt’s im Fan-Shop schöne Artikel: Aschenbecher mit der Aufschrift „Die Zigarette danach“ oder das „Macht Liebe“-Kondom.

Ist ja alles nur Spaß, wie damals in den Achtzigern. Gehört ja auch irgendwie zur seit jeher ins Schrille zielenden Berliner Folklore. Genauso wie Rosenstolz und ihre dauerbrünstige Triebstau-Lyrik.

Apropos 80: Helga Goetze ist dieses Jahr auch 80 geworden. Helga Goetze wurde bekannt, weil sie mit einem Pappschild an der Gedächtniskirche saß und jedem Passanten vorlas, was da drauf stand. Heute hat Helga Goetze eine Internetseite ( www.helgagoetze.de ) aber ihre simple Botschaft lautet noch immer: „Ficken ist Frieden". Da können alle nachgucken, die’s damals verpasst oder einfach nur vergessen haben. Denn es gilt weiterhin der Satz: Wer sich an die Achtzigerjahre erinnern kann, der hat sie nicht mitgemacht. Ralph Geisenhanslüke

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