Kultur : Dinos an die Macht!

JÖRG KÖNIGSDORF

Wäre Dooly aus Fleisch und Blut, würde irgendeine Menschenrechtsorganisation ihm vermutlich längst einen Preis für seine Verdienste um die Emanzipation der koreanischen Kinderwelt verliehen haben.Seit fünfzehn Jahren ermuntert diese populärste koreanische Trickfigur den Nachwuchs zu Aufmüpfigkeit gegenüber ihren Erziehungsberechtigten, seinerzeit ein Novum in einer streng auf Befehl und Gehorsam ausgerichteten Gesellschaft.Exporttauglich schienen die Fight-for-your-rights-Comics des grünen Dinosaurierbabys bislang nicht, und auch der erste nachmittagfüllende Dooly-Animationsfilm dürfte mehr das Interesse von Volkskundlern wecken.Denn nebenbei enthüllt "Dooly, der kleine Dino" eine ganze Menge über den koreanischen Kinderalltag.Der bewegt sich zwischen prügelnden Vaterfiguren und einer offenbar schon früh einsetzenden Madonna- und Jacko-Verehrung.Abgesehen von der simplen Story - Dooly und seine Freunde kämpfen im Universum gegen einen Gangsterboß und retten irgendeinen Planeten - zeigt der Film so mehr die Orientierungslosigkeit Koreas zwischen vergangener kitschbunter fernöstlicher Landidylle und übermächtigem US-Kultureinfluß.Zu unerbittlich harten Beats und zirpenden Kinderstimmen tanzen Dooly & Co.wie eine präzis durchchoreographierte Animations-Boygroup.Für Zartbesaitete ist der schablonenhaft dürftig gezeichnete Film sowieso nichts, die skelettierten Erfüllungsgehilfen des Geisterfürstengangsterbosses dürften Kindern ohne Killerninja- und Horrorcomic-Erfahrung schwere Alptraumnachwirkungen bereiten.Für kindertheatergestählte Sechs- bis Achtjährige höchstens als Solidarakt für die unterdrückten Brüder und Schwestern in Fernost tauglich.

In Berlin in den Kinos Blow Up, Broadway, Eiszeit, Nickelodeon, Passage, Rio, Venus

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