Kultur : Diverse

Diese Woche auf den Plätzen 4, 12, 13 und 24 mit: „Christmas“-Songs

Ralph GeisenhanslükeKai Müller

Eine Gruppe junger, gutaussehender Menschen besteigt in den Schweizer Alpen eine Gondel und fährt zu einer Hütte. Ein klassisches Weihnachtsfest mit allem drum und dran. Wir schreiben das Jahr 1984. Regisseure von Musikvideos haben noch den Ehrgeiz, eine Geschichte zu erzählen. Auch Wham! sind Teil der Festtagsgesellschaft. Während die Synthies schmalzen und die Glöckchen klingeln, muss sich eine unbekannte Schöne zwischen George Michael und Andrew Ridgeley entscheiden. Das Video sagt: Wham! kommen zu dir nach Hause. Sie verlieren sogar ihr Herz. Mehr Schmus in vier Minuten unterzubringen, war mit der damaligen Analogtechnik unmöglich.

„Last Christmas“ ist seit 1996 eine verlässliche Konstante. Jedes Jahr zur selben Zeit ist der Song wieder da. Und jedes Jahr hat er andere Rivalen, die um das Sentimentalitätsbedürfnis des christianisierten Erdteils buhlen. Furchtbar banal, spenden sie trotzdem wahren Trost, dessen Wert nur ermessen kann, wer vor der schrecklichen Aufgabe steht, auch für Tante Gerda etwas unter den Tannenbaum zu legen. Dass es in Sarah Connors „Christmas In My Heart“ eigentlich um Sex geht, braucht man der Dame ja nicht zu sagen. Sie wird den schönen Satz, „If you stay tonight it’s christmas in my heart“, schon nicht falsch verstehen.

Ohnehin ist Weihnachtspop die Anständigkeit in Melodie. Mütter dürften vergehen vor Rührung beim Geschnulze der Teenie-Popper Banaroo, die ihren Altersgenossen vom Glück der fürsorglichen Umarmung vorschwären. Aber auch „Coming Home For Christmas“ wird die Verbitterung nicht wett machen können, die das zerrissene Geschenkpapier, der nadelnde Tannenbaum und die Einsicht hinterlassen, dass man sich immer weniger zu sagen hat – trotz Krawattennadel und Eau de Cologne.

Man kann innere Bindung nicht herbeisingen. Und an das Christkind glauben ja nicht einmal mehr Kinder. Für die hat das Wesen mit den Geschenken grüne Haut, zwei große Glubschaugen und ein ziemlich freches Mundwerk: „Jing Jingeling“, singt es, „ich komme/ Auf dem großen Schlitten an/ Jing Jingeling, Schnee- Schnappi, ich bin euer Weihnachtsmann.“ Ralph Geisenhanslüke

Kai Müller

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