Donald Runnicles und die Berliner Philharmoniker : Was er fordert, wird gemacht

Als Gast der Berliner Philharmoniker dirigiert Donald Runnicles, der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, ein französisches Raritätenprogramm mit Werken von Messiaen, Debussy und Maurice Duruflé

von
Donald Runnicles Foto: Bettina Stöß
Donald RunniclesFoto: Bettina Stöß

Dieser Abend in der Philharmonie verläuft so professionell, dass es schon wieder unaufregend ist. Donald Runnicles, Generalmusikdirektor an der Deutschen Oper und Chef des BBC Scottish Symphony Orchestra, ist ein Meister am Pult; was er verlangt, tritt ein, was er fordert, wird getan, ihm kann man nichts erzählen. Selten sieht man ein Ensemble so springen und spielen wie nun die Berliner Philharmoniker mit einem eigentümlich zwischen Wort und Musik vagierenden Programm: Messiaens „Hymne“ für Orchester, darauf Debussys Poem „La Damoiselle élue“, („Auserwählte Jungfrau“) nach Dante Gabriel Rossetti, schließlich Maurice Duruflés 1947 uraufgeführtes Requiem, zu denen auch der Rundfunkchor Berlin (Einstudierung: Simon Halsey) sowie die Gesangssolisten Martina Welschenbach, Kelley O’Connor und Noel Bouley treten.

Ein gutes Halbjahrhundert Frankreich also, üppige Kost und reiche Farben, extreme Lautstärken, große Muskelspannung. Und Runnicles hat auf eine sehr beiläufige Weise tatsächlich viel Kraft. Schon bei Messiaen lassen die Streicher einen ungewohnt dichten, vibratostarken Ton hören, schon hier treten die Bläser mit scharf gezackten Passagen hervor. Es liegt wohl an diesem Grund-Tonus, zu dem bei aller Kontrolle über Details eine Prise Durchschlagen und Erledigen gehört, dass das Orchester für die Sopranistin Martina Welschenbach oft zu laut wird, ihre Mittellage einfach überdeckt, auch wenn dies mit sich bringt, dass ihre Spitzentöne umso schöner leuchten. Kelley O’Connor mit ihrem rückgratstarken Mezzo hat es da leichter, und auch der Chor (in Debussys fein bewegtem, sich auf- und abbauschendem Klangpoem mit wunderbar eingedunkelten Frauenstimmen) lässt sich naturgemäß nicht an die Wand spielen. Programmdramaturgisch schließt sich der Kreis mit dem Requiem, einem rätselhaften Miteinander aus wühlend-wütenden Passagen mit weicher, gleichsam zerkochter Klanglichkeit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben