Kultur : Doppelkopf

Kräftemessen: eine Ausstellung in Köln porträtiert berühmte Künstlerpaare

Christina Tilmann

Sie hat sich ihre Ikone selbst gemalt: einen kostbaren Schrein, dekoriert mit roten Steinen, perlmuttschimmernden Schneckenhäusern, mit der Inschrift „Diego Frida 1929 1944“. Und darin ein kleines Doppelporträt, rechte Gesichtshälfte Frida, linke Gesichtshälfte Diego, zusammengeschnürt durch ein Geflecht aus Ästen. Mexikanischer Totenkult, Liebeszeichen und Devotionalienkitsch, all das reflektiert das 1944 entstandene Bildchen. 1929 hatten die beiden geheiratet, 1939 hatten sie sich scheiden lassen, 1940 erneut geheiratet. Symbol einer lebenslangen Liebe mag das Bildchen sein. Doch innig verwoben war das Werk der beiden Künstler 1944 längst nicht mehr.

„Künstlerpaare“ heißt eine Ausstellung im Wallraf-Richartz-Museum Köln, das anhand von 13 Paar-Biografien Liebesglück und gegenseitige Inspiration, aber auch Konkurrenz und Abhängigkeit dokumentiert. Immer geht es darum: Wer ist besser? Aber auch: Wer ist stärker? Im Falle von Diego Rivera und Frida Kahlo zum Beispiel klafft das auseinander: Er ist zu Lebzeiten der gefragte Großkünstler, sie im Rückblick die, deren Werk überdauern wird. Ähnlich sieht das bei Hannah Höch und Raoul Hausmann aus: Er dominiert die Beziehung als das gefeierte Enfant Terrible, der Ober-Dadaist – und die zierliche Höch hat, zumal in Berlin, die deutlich stärkere Langzeitwirkung.

Doch auch dort, wo die künstlerische Qualitätswertung längst entschieden ist, sagt das beileibe nicht alles über das Binnenverhältnis, das aus den Bildern spricht und die Ausstellung psychologisch so interessant macht. Im Fall von Jackson Pollock und Lee Krasner zum Beispiel muss über Qualität gar nicht erst gestritten werden. Und doch hat John Updike der eigenwilligen Malerin vor Jahren in „Seek my Face“ eine verdiente literarische Rehabilitation verpasst. Und bei Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn ist sicherlich auch sie künstlerisch die Stärkere, Modernere, Folgenreichere. Otto Modersohns Porträt-Bild von Paula, wie sie im weißen Kleid feenartig durch die Frühlingswiesen schreitet, ist vielleicht jugendstiliger Kitsch. Ein anrührendes Liebesbild ist es gleichwohl.

Spannender sind die Beziehungen, die auch künstlerisch voneinander profitieren. Gabriele Münter und Wassily Kandinsky malen in ihrer Murnauer Zeit Farbexplosionen, die sich kaum voneinander unterscheiden. Auch Freund Alexej Jawlensky, oft in Murnau zu Gast, stimmt in den Farbrausch ein, während die vier Jahre ältere Marianne von Werefkin entschieden ihren eigenen Stil bewahrt. In den parallel gelagerten Arbeitsbeziehungen von Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp wie auch Sonia und Robert Delaunay ist die Zusammenarbeit dann so eng, dass man die Werke kaum voneinander unterscheiden kann. Höchstens, dass der Frau immer noch stärker die künstlerisch wenig dankbare Rolle der Kunsthandwer kerin zufällt. Im Fall von Sonia Delaunay zeigt die Kunsthalle Bielefeld gerade in einer umfangreichen Retrospektive, wie vielfältig, zwischen Modeentwürfen und Design, Teppich- und Stoffmustern und Textillustration, Ballett und Oper, das Oeuvre der Künstlerin war – quasi ein französisches Bauhaus in einer Person. Und doch hat Sonia Delaunay Jahre ihres Lebens allein der Promotion des künstlerischen Werks ihres 1941 verstorbenen Mannes gewidmet (bis 22. Feb.).

Den Weg aus dem künstlerischen Konkurrenz-Dilemma weisen die jüngsten Paare der Ausstellung. Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely entscheiden sich in ihrem Musikerbrunnen für das Centre Pompidou für die Gemeinschaftsarbeit: Maschinenkunst und knallig bunte Phantasie, eine Stilhochzeit mit Folgen, auch wenn sich die Beiträge immer noch klar trennen lassen. Bei Ray und Charles Eames ist das schon anders, da sind die Möbelentwürfe nicht immer zuzuordnen. Doch das einheitliche Gemeinschaftswerk, entstanden aus zwei Köpfen, kommt in der Ausstellung gar nicht mehr vor. Christo und Jeanne -Claude, Anna und Bernhard Blume, Hilla und Bernd Becher haben den Weg des gemeinsamen Arbeitens an einem Gesamtwerk gewählt. Das Drama des Geschlechterkampfes scheint hier ausgekämpft.

Wallraf-Richartz-Museum Köln, bis 8. Februar, danach Gemeentemuseum Den Haag. Katalog 39 Euro

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