Kultur : Dornröschen schläft in Dahlem Ein Museumsbesuch

des Kulturausschusses

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Die Dahlemer Museen befinden sich im Schwebezustand – dabei bleibt es auch in den nächsten Jahren. Das Humboldt-Forum ist die große Perspektive für die bislang im Süden der Stadt angesiedelten Sammlungen, auch wenn nur drei bis fünf Prozent auf dem Schlossplatz zu sehen sein werden und der Rest in die künftigen Depots in Friedrichshagen wandert. Doch damit müssen die Häuser die nächsten acht bis zehn Jahre warten. Noch ist nicht einmal der erste Spatenstich am Schlossplatz getan.

Der Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses machte sich deshalb gestern ein Bild von den Weltmuseen im „Dornröschenschlaf“. Die Direktoren der vier Museen zeigten zusammen mit den betreuenden Architekten vom Bundesamt für Bauwesen den Stand der Schadensbeseitigungen. Denn wer heute in der Kulturpolitik von Dahlem spricht, der meint meistens vor allem die baulichen Dramen.

Für die grüne Ausschussvorsitzende Alice Ströver zeigte sich jedoch in der anschließenden Aussprache „alles auf gutem Weg“: Die notwendigen Maßnahmen werden getroffen, die vom Bund bereitgestellten 20 Millionen Euro in diesem Jahr noch verbaut. Der stellvertretende Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Norbert Zimmermann, nannte jedoch das Kind beim Namen: Es bleiben „Verschönerungsmaßnahmen“. Nur das „Allernotwendigste“ wird getan – außer beim Museum Europäischer Kulturen, das auch nach Abzug der anderen Sammlungen in Dahlem verbleibt und erst in ein, zwei Wissenschaftlergenerationen zum Kulturforum in die Nachbarschaft des Kunstgewerbemuseums weiterwandern wird.

Das größte Problem des Standortes Dahlem stellen nicht einmal die Schäden dar, zu denen neben erblindeten Scheiben und herabstürzenden schwarzen Platten durch den letzten Wintereinbruch ein Wasserbruch hinzugekommen ist, sondern die „Randlage im öffentlichen Bewusstsein“, wie es der stellvertretende Generaldirektor der Staatlichen Museen, Günther Schauerte, nannte. 140 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, zu wenig für den Rang der Häuser. Eine Präsentation der „Voudou“-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau hätte eine weitaus größere Aufmerksamkeit erbracht, das gestand auch die Direktorin des Ethnologischen Museums, Viola König, ein. Sie berichtete von ihrem Mehrfachspagat: die Umzüge ins Humboldt-Forum und nach Friedrichshagen zu organisieren, eine neue Konzeption zu planen und gleichzeitig den Standort Dahlem offen zu halten. Eine Schließung während der Übergangszeit kommt für sie nicht infrage. Denn dann besteht die Gefahr, völlig ins Aus zu geraten. Nicola Kuhn

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