DRAMA„Trade – Willkommen in Amerika“ : Die Ware Mensch

Sebastian Handke

Jedes Jahr werden hunderttausende Menschen verschleppt und als Sexsklaven verkauft – ein international operierender Handel, der völlig im Verborgenen stattfindet. Erst im Jahre 2003 deckte ein Reporter des „New York Times Magazine“ mit einer aufwühlenden Reportage von der Grenze zwischen Mexiko und den USA die Mechanismen der Händlerringe auf. Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich gab ein Drehbuch in Auftrag, dass sich mit dieser schrecklichen Realität befassen sollte: Bereits nach „The Day after Tomorrow“ hatte er weitere politische Filme angekündigt. Die Verfilmung von „Trade – Willkommen in Amerika“ überließ er dann aber doch dem jungen deutschen Regisseur Marco Kreuzpaintner („Sommersturm“).

Der Film erzählt von der jungen Polin Veronica und der 13-jährigen Mexikanerin Adriana. Beide werden in Mexico City von einem Menschenhändlerring entführt und in die USA verschleppt. Dort sollen sie an den Höchstbietenden verkauft werden. Adrianas Bruder Jorge folgt ihnen und findet Unterstützung beim texanischen Versicherungspolizisten Ray. „Trade“ beschreibt die Mechanismen des internationalen Menschenhandels. Doch Kreuzpaintner will nicht nur aufklären, sondern auch aufrütteln – und erliegt dabei der Versuchung, zu bewährten Mitteln des manipulativen Kinos zu greifen, um sein Publikum zu bewegen. Das bringt ihn gefährlich nahe ans Exploitation-Kino: Sein Film hat über weite Strecken ein ausbeuterisches, voyeuristisches Verhältnis zu seinem Thema. „Trade“ ist schmierig, theatralisch, voller Klischees und ohne handwerkliche Sorgfalt.

Marco Kreuzpaintner ist nicht der erste, dem so etwas passiert. Erst im Februar waren Jennifer Lopez und Regisseur Gregory Nava mit „Bordertown“ auf der Berlinale zu Gast: dasselbe Thema, derselbe Eifer, dieselben Fehler. Kreuzpaintners Film greift sogar noch weiter daneben: Das Schlimme will er uns schmackhaft machen, indem er es als Buddy- Movie aufbereitet mit allerlei kleinen Witzchen und als eine Jagd gegen die Zeit mit ganz und gar deplatzierten Thriller-Elementen. Es ehrt Marco Kreuzpaintner, dass er für sein Hollywood-Debüt ein so schwieriges Projekt wählte. Und man wünscht diesem Thema jede Öffentlichkeit. Dieser Film aber ist ihm völlig misslungen. Voyeuristisches Klischeekino. Sebastian Handke

„Trade – Willkommen in Amerika“, USA 2007, 119 Min., R: Marco Kreuzpaintner, D: Kevin Kline, Cesar Ramos, Paulina Gaitan, Alicja Bachleda

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