Dresden : Letzter Feinschliff im Grünen Gewölbe

Die letzten Feinarbeiten werden vor der Eröffnung im Historischen Grünen Gewölbe in Dresden durchgeführt. Am 15. September wird die Schatzkammer Augusts des Starken wieder für Besucher geöffnet.

Dresden - Hier und da werden noch vergoldete Konsolen nachpoliert, kleine Ausbesserungen vorgenommen und die letzten Pinselstriche beendet. Stress macht sich unter den zehn Mitarbeitern einer Dresdner Restaurierungswerkstätte breit. Nur noch wenige Stunden haben die Kirchenmaler und Vergolder Zeit, einem Teil des Historischen Grünen Gewölbe den letzten Schliff zu verpassen. Am Freitag wird die Schatzkammer Augusts des Starken nach über 60 Jahren Unterbrechung feierlich wieder eröffnet. "Man sieht ab und zu noch Fehler. Es ist nie perfekt", sagt Kirchenmaler André Voltére von der Restaurierungsfirma Steffen Schmalhofer mit Blick auf die vollendeten Werke.

Voltére und seine Kollegen haben fast zwei Jahre ausschließlich für das Gewölbe gearbeitet. Das Team der Kirchenmaler- und Restaurierungswerkstätte hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kulturgut in altem Glanz wiedererstehen zu lassen. Dazu gehören auch die 1550 entstandenen Originalräume des Historischen Grünes Gewölbes. Denn viele der Kostbarkeiten wurden während der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 fast vollständig zerstört.

Rekonstruktion dauerte vier Jahre

Neben Holzleisten, Panelen und Konsolen an den Spiegelwänden polieren die Vergolder unter anderem auch antike Rehbeintische aus Lindenholz wieder auf Hochglanz. Aber auch Malereien an historischen Türwappen gehören zu ihren Aufgaben. Die Innenausstattung soll schließlich die historischen Objekte, die 1959 teilweise in das Albertinum verlagert worden, im richtigen Glanz erstrahlen lassen. So verbringen die Handwerker gerade kurz vor der Eröffnung jeden Tag im Residenzschloss, der Heimat der zehn Prachtkabinette. "Wenn Frau Bundeskanzlerin Merkel kommt, dann können es schon ein paar Überstunden mehr werden", betont Voltére. Insgesamt dauerte die Rekonstruktion der Zimmer vier Jahre.

Für ihn sei der Auftrag ein "ziemliches Highlight" gewesen. Allerdings werden die fertig gestellten Räume für ihn "keine wirkliche Überraschung" mehr sein. "Wenn man täglich dort arbeitet, sieht man, wie es wächst", erklärt der 41-Jährige. Besonders gefiel ihm die Zusammenarbeit mit der Elite der übrigen Restauratoren. Mit jeder Leiste und Konsole mehr habe er von den historischen Techniken gelernt.

Hohe Sensibilität beim Vergolden gefordert

Auch wenn er seit seiner Ausbildung zum Kirchenmaler 1981 sich ausgiebig mit Kunstgeschichte befasst habe, sei es immer wieder interessant neue Techniken auszuprobieren, sagt Voltére. "Das ist das Schöne am Kunsthandwerk. Man weiß nie alles", fügt der Kirchenmaler hinzu. Je mehr er lernte, umso lockerer wurde er beim Restaurieren. Nur so bekomme er das Gefühl, eine "stimmige Sache" zu erarbeiten, erklärt Voltére die Schwierigkeit bei alten Techniken wie Polimentvergoldung und Temperamalerei. Das endgültige Ergebnis hätte er sich aber anders vorgestellt. Das barocke Kunst so lebendig und frei sei könne, hätte er nicht gedacht.

Das Schwierigste bei der Vergoldung sei, den historischen Zustand zu bewahren, fügt sein Kollege Andreas Klimmer hinzu. "Gerade die gealterte Goldfläche wird als ästhetisch angesehen", sagt er. Das verlange "eine hohe Sensibilität beim Vergolden". Jedoch sei die Motivation, junge Menschen für diese umfangreichen Techniken auszubilden, hierzulande gering, beklagte Klimmer. Nach Angaben des Sächsischen Handwerkstages gibt es nur elf Vergolder im Freistaat.

Größtenteils arbeiteten die Vergolder in der Werkstatt. Die Feinarbeiten geschahen vor Ort, wo die Lichtverhältnisse des Saals berücksichtigt werden müssen. Gerade das Arbeiten in solch einem klassischen Ambiente sei eine tolle Erfahrung gewesen, sagt Voltére. Dass er bei der Eröffnung nicht dabei sein darf, störe ihn weniger. Er habe seinen Teil getan und gebe ihn jetzt gern frei. "Mit jedem Pinselstrich bin ich doch präsentiert", hebt er stolz und zufrieden hervor. (tso/ddp)

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