Kultur : Dresden trifft Kuba

Die Berliner Galerie Refugium hat einen neuen Leiter

Michaela Nolte

Als Ian Meiklejohn im vorigen Jahr durch Berlin streifte, um die Möglichkeit einer Galeriegründung zu erkunden, spielte der Zufall sein zuverlässiges Spiel. Bei einer Verwandten lernte er Bernd Heise kennen, den Inhaber der Galerie Refugium, der gerade einen Vertrag als Leiter des Dresdener Leonardi Museums unterschrieben hatte und auf der Suche nach einem Nachfolger war.

Die gemeinsamen Antennen für zeitgenössische Malerei funkten alsbald, auch der jeweilige Werdegang wies Parallelen auf. Kurz nach der Wende hatte der passionierte Kunstsammler Heise den Beruf als Regieassistent an den Nagel gehängt und im mecklenburgischen Neustrelitz die Galerie Refugium eröffnet, mit der er 1996 in die Hauptstadt übersiedelte. Auch Meiklejohn trieb die Sammelleidenschaft für englische und kubanische abstrakte Malerei aus seiner Londoner Medienfirma. Man einigte sich schnell über die Konditionen, der gebürtige Schotte zog an die Spree und eröffnete die erste Ausstellung mit Werken von dem kubanischen Maler Rigoberto Mena.

Mena, 1961 in Havanna geboren und einer der führenden Abstrakten in Kuba, vereint in seinen Bildern das Ikonenhafte eines Pierre Soulages mit der spontanen Gestik eines Hans Hartung. Antoni Tàpies klingt ebenso an wie Menas Auseinandersetzung mit den alten Meistern der europäischen Kunst. Dunkle Erdfarben und leuchtendes Rot dominieren die Leinwände, weiße Lichtflecken umwandern gleich Trabanten eine Welt, die Erinnerungen an das Höhlendasein wachruft (4000 bis 9000 Euro). In den neuen Mischtechniken (1250 bis 1500 Euro) kehrt er die Palette ins Gegenteil. Das Papier wird von lichten Flächen durchsetzt, denen Mena mit wenigen, nuancierten Strichen Dynamik und tänzerische Leichtigkeit verleiht.

Bei aller Verschiedenheit scheint eine geistige Verwandtschaft zu den Bildern von Mark Lammert durch, die einen Bogen zum angestammten Programm der Galerie Refugium schlägt. Das Fundament mit Zeitgenossen wie Lothar Böhme oder Bernd Hahn, sowie dem großen Konstruktivisten Hermann Glöckner oder den in Vergessenheit geratenen Malern Albert Wigand und Hermann Jüchser, die Heise mit Ausstellungen und Katalogpublikationen postum würdigte, will der Neuberliner weiterhin pflegen und international ergänzen.

Meiklejohns Mischung aus Elb-Florenz und Karibikinsel mag zunächst etwas wunderlich anmuten, doch der Galerist sieht durchaus Analogien. So wie die Künstler in der DDR mit dem „antifaschistischen Schutzwall“ gelebt haben, bildet das Meer eine symbolische und faktische Mauer um die Westindische Insel. Und in beiden Staaten gibt es eine ausgeprägte Hochkultur der Malerei. Auf Menas Ausstellung folgen Arbeiten von Stefan Plenkers. Für die kubanische Szene stehen außerdem die Fotografen Manuel Piño und René Peña auf dem Programm. Mit Peñas malerischen Schwarzweiß-Fotografien menschlicher Körper sowie Piños einsamen Stadtlandschaften, die zurzeit auch in der Gruppenausstellung „No Place“ in der ifa-Galerie zu sehen sind, will Meiklejohn den Beweis antreten, dass die kubanische Kultur noch weitaus mehr zu bieten hat als den „Buena Vista Social Club“ oder folkloristische Klischees.

Galerie Refugium, Auguststraße 19, bis Mitte September; Dienstag bis Freitag 14–19 Uhr, Sonnabend 12–17 Uhr.

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