Dresden : Unesco will Welterbetitel angeblich aberkennen

Trotz aller Bemühungen scheint die Entscheidung der internationalen Kulturbehörde schon gefallen zu sein. Stoppt der Dresdener Stadtrat den Weiterbau der Brücke nicht, ist der Titel weg - wollen die Brückengegner erfahren haben.

Waldschloesschenbruecke
Gegner des Baus der Waldschlösschenbrücke vor Schloss Eckberg in Dresden. Sie wollen einen Volksentscheid. -Foto: ddp

ParisDie Hoffnungen auf einen Erhalt des Unesco-Welterbetitels für das Dresdner Elbtal schwinden. Der Direktor des Welterbezentrums, Francesco Bandarin, habe klar gestellt, dass Dresden den Titel bei einem Brückenbau definitiv verliert. Das sagten die deutschen Teilnehmer eines Hintergrundgespräches in Paris.

"Wenn sich jetzt in Dresden nichts ändert, wird der Welterbe-Titel im Sommer aberkannt", betonte der SPD-Fraktionschef im sächsischen  Landtag, Martin Dulig. Grüne und Linke in Sachsen befürchten nun eine Blamage für ganz Deutschland. Die Brückenbauarbeiten laufen bereits.

Unesco toleriert einen Tunnel

Die Botschaft der Unesco sei unmissverständlich. "Keine der bekannten Brücken-Alternativen ist welterbeverträglich", sagte Ralf Weber. Er ist einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens für einen Elbtunnel. Auch ein Tunnel stelle einen Eingriff dar, werde aber von der Unesco als Kompromiss akzeptiert, sagte er. "Wir haben jetzt Klarheit", fügte Dulig hinzu. Es mache überhaupt keinen Sinn, noch auf Zeit zu spielen.

Die Vertreter der sächsischen CDU bleiben bislang dabei: bei Modifizierungen am Brückenentwurf könnten den Unesco-Titel retten. "Diese Illusion ist zerplatzt wie eine Seifenblase", sagte Dulig. Bandarin habe über den Bericht gesprochen, der erst nächste Woche veröffentlicht wird. Dieser dient dem Komitee als Grundlage für ein Votum. "Er hat uns den Hinweis gegeben, dass bisher noch keine Entscheidung von dem abgewichen ist, was in einem solchen Monitoring- Report drinsteht."

Das Volk will mitentscheiden

Dulig sieht jetzt den Dresdner Stadtrat in der Pflicht. "Die Frage wie es weitergeht, muss in Dresden geklärt werden - und zwar schnell. Der Stadtrat habe nun am 13. März die richtigen Entscheidungen zu treffen", sagte Dulig und sprach sich zugleich für den Bau eines Tunnels aus.

Inzwischen haben Brückengegner in Dresden nach eigenen Angaben rund 40.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren pro Tunnel gesammelt. Für kommenden Sonntag ist in eine weitere Demonstration für dieses Anliegen geplant. Das Dresdner Elbtal steht wegen der umstrittenen Waldschlößchenbrücke seit 2006 auf der Roten Liste gefährdeter Unesco-Welterbe-Stätten. (ml/dpa)

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