dtv/Suhrkamp : Zur Kenntnis

Neues von Suhrkamp: dtv hier, die Ströhers dort.

In der Causa Suhrkamp geht es weiter Schlag auf Schlag. Als Ende vergangener Woche der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) offiziell sein Interesse bestätigte, bei Suhrkamp einzusteigen und bei „sich rapide verändernden Marktbedingungen gemeinsame Synergien zu verwirklichen“, kommentierte das Branchenmagazin „Buchreport“ dieses Ansinnen als „vollkommen neue Wendung“ im Suhrkamp-Streit, für die „Welt“ war es gar eine „Sensation“. Bei Suhrkamp gibt man sich ob des dtv-Angebots reservierter: „Selbstverständlich nimmt der Verlag solche Vorschläge zur Kenntnis und bezieht sie in seine Überlegungen ein“, heißt es dort. Ein Gespräch mit dem Insolvenz-Generalbevollmächtigten Kebekus habe es „vor einigen Wochen“ gegeben. Das aber war es schon: „Weiterführende Gespräche gab es bisher nicht.“

Tatsächlich würde ein Einstieg des von den Verlagen Hanser, C.H. Beck, Oetinger und der Ganske-Gruppe anteilig gehaltenen Deutschen Taschenbuchverlags gravierende Veränderungen bei Suhrkamp nach sich ziehen, nicht zuletzt inhaltlicher, verlegerischer Art. Suhrkamp-Verlegerin und Noch-Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz favorisiert deshalb wohl auch mehr den Einstieg der einstigen Wella-Konzern-Besitzer und Kunstsammler Sylvia und Ulrich Ströher, die ihr in die verlegerische Arbeit sicher weniger hereinreden würden. Die Ströhers sind seit längerem daran interessiert, nach der Unwandlung von Suhrkamp in eine AG Aktien der Gesellschafter zu übernehmen oder sich an einer Kapitalerhöhung zu beteiligen.

Dass man bei Suhrkamp schon eng mit dem Sammler-Ehepaar zusammenarbeitet, zeigt sich darin, dass die Ströhers, wie am Montag bekannt und bestätigt wurde, die Honorare der Suhrkamp-Autoren bis zum Inkrafttreten des Insolvenzplans zahlen wollen, leihweise, versteht sich. Die fest hinter Unseld-Berkéwicz stehende Reihe der Suhrkamp-Autoren soll dicht gehalten werden, Unruhe wegen ausstehender Zahlungen nicht aufkommen. Was jedoch einen Haken hat: Die Autoren und Autorinnen, deren Honorare von den Ströhers beglichen werden, wären keine Gläubiger mehr und könnten über den Insolvenzplan nicht mehr mit abstimmen. Das geschieht Anfang Oktober, und man kann darauf wetten, dass es bis dahin weitere überraschende Wendungen in der Causa Suhrkamp geben wird. gbar

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben