Kultur : Dunkle Tage

Familienkrieg, literarisch: GwynethPaltrowistSylvia

Daniela Sannwald

Eine blonde junge Frau radelt über kopfsteingepflasterten Straßen, Haare und Mantel flattern im Wind, das Fahrrad klappert, Kommilitonen stehen am Straßenrand und staunen: eine Szene der Unschuldt und Lebenslust.Wenn ein Film so beginnt, wird es kein gutes Ende nehmen.

Das Ende der zum Hausfrauendasein gezwungenen Schrifstellerin Sylvia Plath ist bekannt: Sie nahm sich 1963 das Leben, weil sie es an der Seite ihres ebenfalls schreibenden Gatten Ted Hughes nicht mehr aushielt und weil sie den Spagat zwischen Kindern und Schreiben nicht schaffte. Christine Jeffs hat ein veritables Frauen-biopic gedreht, mit Gwyneth Paltrow in der Hauptrolle des munteren amerikanischen Mädchens, das nach England zum Studieren geht. Und dort ist es dunkel, feucht und kalt. So ist auch der Film: gräulich-grünlich gedämpft, mit finsteren Wohnungen – und einer Frau, die zu Tode erschöpft bis in den frühen Morgen schreibt, bei schwacher Beleuchtung. Paltrow verkörpert überzeugend die Getriebenheit und Hysterie, auch die Naivität und Lebenslust der Heldin. Trotzdem überzeugt „Sylvia“ nicht. Zwar tragen in einer schönen Szene die beiden auf einer Studentenparty in Cambridge einander Gedichte vor, bis sie alles um sich herum vergessen. Ted Hughes bleibt dennoch blass. Warum die scharf formulierende Denkerin sich freiwillig von ihm domestizieren lässt, wird im Film nicht klar.

Jedenfalls nicht so klar wie im schmalen Gesamtwerk der 1932 bei Boston, Massachusetts, geborenen Autorin, die außer ihrem Roman „Die Glasglocke“ Gedichte, short stories und Tagebücher verfasste. Ted Hughes sorgte allerdings dafür, dass die Aufzeichnungen der letzten Lebensjahre nicht an die Öffentlichkeit gelangten. Außerdem beschrieb er seine Frau als schwer depressive Persönlichkeit. Für die Frauenbewegung der späten Siebziger war sie dagegen der Inbegriff der unterdrückten Frau. Die Wahrheit, die wohl irgendwo dazwischen liegt, bringt „Sylvia“ uns nicht näher.

Kulturbrauerei, OV im Cinestar SonyCenter

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben