Kultur : Echte Achtziger

ROCK

H.P. Daniels

In den Achtzigern waren The Alarm aus Wales eine feine Band, die mit akustischen Gitarren schweren elektrischen Alarm und melodischen Lärm machten. 1991 haben sie sich aufgelöst. Sänger Mike Peters hat solo weitergeköchelt: auf kleinerer Flamme. Und jetzt plötzlich wieder Alarm im Knaack : Mike Peters mit neuer Band und altem Namen. Vier Typen ganz in Schwarz. Peters ist gerade 44 geworden und sieht mit seinen langen, blonden, mittelgescheitelten Haaren erstaunlich frisch aus. Ein freundlicher Mensch, der immer noch Spaß hat, auf der Bühne zu stehen. Und heftig zu rocken mit der schwarzen Telecaster, Mundharmonikagestell um den Hals. Ein wunderbar heiser krächzender Shouter zwischen aggressivem Raspeln und feierlichen Melodien. Zwischen frühen Who und Small Faces, U2 und Clash. Rechts brettert ein junger Strubbeliger in die Les Paul, jagt gewaltige Powerchords durch den geweißten Marshall-Verstärker. Links knattert ein glatziger Bassist, hinten knüppelt ein wilder Trommler ins minimale Schlagzeug. Und vorne Mike Peters, der sich Herz und Seele aus dem Leib schreit, über die kleine Bühne fegt, Band und Publikum anfeuert und beflügelt. „Oh-ho-ho“-Chöre anzettelt, feierlich, hymnisch, aber nie pompös kitschig. Die hingerissenen Fans kennen jeden Song, singen mit, recken die Fäuste, freuen sich. Das ist so befreiend wie früher. „68 Guns“. „45 RPM“. Alles tanzt. „One-two-three-four!“, ba-ba-ba-bamm. Die Jungs auf der Bühne haben ihren Spaß. Die Jungs und Mädels vor der Bühne auch. Mike Peters und seine neue Alarm-Truppe sind so viel besser und wahrhaftiger als diese ganzen neuen falschen Fuffziger, Sechziger und Neo-Punks.

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